Tag 4

ein langer Tag <3

Oh wow, wo fang ich nur an. Es ist jetzt 22:28 also gar nicht einmal so spät, aber ich habe das Gefühl der Tag war ewig. Dafür aber voll gepackt mit schönen Sachen. Und dabei habe ich heute sogar sehr lang geschlafen und damit glaube ich so ziemlich das Jetlag überwunden. 

 

Nach dem Frühstück hab ich den Bus 38 genommen, der nur wenige Blocks entfernt die DeKalb Avenue rüber bis nach Clinton Hill fährt. Durch das Busfenster konnte ich gespannt die Häuser beobachten wie sie langsam ihr Kleid von Holz in Stein wechselten und mit jedem Block ein bisschen schicker aussahen. Clinton Hill ist die Nachbarschaft in Brooklyn in der ich letztes Jahr gewohnt habe, deshalb habe ich mich ganz besonders auf meinen kleinen Ausflug gefreut. Eigentlich wollte ich dort nur hinfahren, um in einem Bastelgeschäft ein paar Dinge zu kaufen, die ich für die Umsetzung von "Narrating City", meinem kleinen Projekt, noch benötigte. Ich fuhr sogar noch ein kleines Stück weiter, nur um einen längeren Weg zurück zu laufen und ein bisschen mehr von der schönen Gegend zu genießen. Es war ein tolles Gefühl wieder hier zu sein, ich hatte fast vergessen, wie schön es in der Gegend war. Der "kleine Bastelladen" entpuppte sich zu einem riesigen Paradies aus schönen Dingen und ich konnte nicht aufhören herumzustöbern. Erst als mich einer der Mitarbeiter gefühlt zum 10. Mal fragte, ob ich Hilfe brauchte, bemerkte ich, wie lange ich schon ziellos herumlief und mich einfach nur umsah. 

Der Einkauf erst einmal erledigt, spazierte ich die Classon Avenue hinunter, wo nur wenige Blocks weiter das "neue" Café von Ray (Serie: Girls) sein sollte. Das hatte ich beim letzten Mal nie gesucht, deshalb entschied ich den Rest des Nachmittags dort zu arbeiten. Tja, dachte ich zumindest. Leider ist der Laden, der in der Serie als Café dargestellt wird, in Wirklichkeit eine Pizzeria und ich brachte es nicht über das Herz in das Café gegenüber zu gehen, das in "Girls" den großen bösen Konkurrenten spielt. Aber um 12:00 Uhr Mittags war natürlich noch nichts verloren und deshalb nahm ich den G-Train zurück nach Williamsburg um wie gewohnt im Café Beit zu arbeiten. 

 

Nach zwei Stunden produktiven Arbeitens bekam ich eine SMS von Maja, in der sie mich frage, was ich gerade machen würde und ob ich Lust hätte mit ihr und zwei Freunden ins MoMa PS1 (Museum in Long Island City) zu gehen. Ich konnte natürlich nicht nein sagen, vor allem da ich mit meiner Arbeit in den zwei Stunden gut voran gekommen war. Also machte ich mich auf und traf die drei an der Lorimer Street Station, um den G Train – dieses Mal in die andere Richtung, nach Queens – zu nehmen. Sie kam mit einem Nachbar von uns, den ich noch nie gesehen hatte und dessen Freund, der gerade aus L.A. zu Besuch war.

Ungefähr im dritten Satz der Vorstellungsrunde fragte mich der Nachbar, ob ich auch Künstlerin sei. Allein die Frage fand ich super witzig, weil es so typisch für die Leute hier ist. Und ich hatte natürlich bereits gelernt – auf diese Frage eigentlich immer ja sagen. Ich nahm den Kompromiss und sagte: "Naja ich schreibe."  Aber das schien schon zu genügen, denn er hat sich sichtlich darüber gefreut. Wie sich herausstellte, war er (ich habe leider den Namen vergessen) ein Maler, dessen Bilder ich sogar schon auf einer Ausstellung gesehen hatte. Anita erinnert sich bestimmt an die Vernisage, die wir damals gleich um die Ecke mit Mike, Russ und Jonathan besucht hatten. Jap, das war der Typ, haha. Im Gegensatz zu seiner Kunst schien er aber ganz normal. :-) 

Das Museum war toll. PS1 steht für "Public School", da das Gebäude früher eine Schule war und das konnte man immer noch an manchen Stellen sehen. Außerdem sind dort ausschließlich junge, meist noch unbekannte Künstler ausgestellt und ich bestaunte Kunstwerke von Frauen meines Jahrganges 1991.

Ja, da gibt es Kunst auf die man klettern darf!

 

Nach dem langen Museumsbesuch hatten Maja und ich erst einmal Hunger. Natürlich. Die beiden Jungs mussten weiter zu einem Treffen, also beschlossen Maja und ich uns super klassisch in ein American Diner abzusetzen und fettige Pommes zu bestellen. Der Tag wurde immer besser. Und wir beschlossen das volle Programm zu bestellen: Mozarella Sticks, Disco Fries (Pommes mit Sauce und Käse überbacken) und einen Erdbeershake – das ganze teilten wir uns, weil sie das in den Filmen auch so machen. Apropos Film: Vom Fenster aus konnte ich einmal wieder auf große Filmtrucks und Crew-Mitglieder eines Drehs sehen. Direkt in der Straße nebenan wurde offensichtlich "Divorce" mit Sarah Jessica Parker gedreht, allerdings konnten wir keinen der Schauspieler zu Gesicht bekommen. Versucht haben wir es aber auch nicht wirklich, Maja war leider nicht ganz so begeistert, wie ich von dem Trubel. Sie lebt immerhin schon seit 5 Jahren in New York. 

Nachdem wir vollgestopft und mit einem Schlag super müde waren, verabschiedeten wir uns wieder voneinander, denn ich hatte bereits den nächsten Punkt auf der Tagesordnung abzuhaken: Drucker! 

Über Craigslist hatte ich einen günstigen Drucker organisiert, den ich ab 5 Uhr Nachmittags abholen konnte. Der wartete allerdings an der West 111th Street auf mich, also fast in Harlem. Ich fuhr also von Long Island City erst einmal rüber auf die kleine Insel, die sich Manhattan nennt, und dann uptown bis ans Ende des Central Parks. Zur Sicherheit rief ich "Sarah", mit der ich bisher nur E-Mail Kontakt hatte am Weg noch direkt übers Handy an und kündigte an, dass ich gleich da wäre. Eigentlich wollte ich aber nur sicherstellen, dass auch wirklich eine Sarah hinter der Nummer steckte. Das tat sie. Und sie war super nett und schenkte mir auch noch zwei Packungen Papier dazu. Stolz fischte ich meine Tasche heraus, die ich am Morgen extra noch eingepackt hatte, um den Drucker besser transportieren zu können. Leider ein bisschen verschätzt. In der Verpackung war der Drucker viel zu groß und deshalb musste ich das Teil mit bloßen Händen transportieren. Am Weg zurück fühlte ich mich deshalb noch einmal ein bisschen mehr wie eine echte New Yorkerin, weil ich, wie so viele andere, meinen ganzen Kram mit der U-Bahn quer durch die komplette Stadt transportierte. Zur Rush-Hour. Am Ende war es aber gar nicht so schlimm wie erwartet, die Leute machten sofort für mich Platz und ließen mich sogar hinsetzten und ablegen.

Zuhause angekommen druckte ich super stolz die ersten Plaketten für "Narrating City". Wär hätte gedacht, dass ich mich jemals über einen Drucker so freuen würde. Es war aber glaube ich weniger der Drucker an sich, als das Gefühl, dass ich mir heute alles organisiert hatte, um mit meinem Projekt loslegen zu können. Es wird ernst. Meine Motivation aber auch.

 

Morgen wollten Richie, Jake und ich eigentlich das Video drehen, das längst überfällig ist aber leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Nach einer warmen, sonnigen Woche, soll es morgen regnen. Natürlich. Also ist das erst einmal auf Dienstag verschoben. Naja, ich kann trotzdem schon einmal anfangen.

Nach dem Druck-Vergnügen traf ich mich noch ein paar Blocks weiter mit Chris und seiner neuen Freundin in der Starr Bar auf ein Brooklyn Lager. Im Café war die Tage immer sehr viel los, weshalb wir nie richtig zum Quatschen kamen. Lisa, seine Freundin ist super nett aber dreimal dürft ihr raten woher sie ist. Als sie mich begrüßte und meinen Namen sagte, fragte ich überrascht: "Wow, hat Chris schon mit dir geübt meinen Namen auszusprechen? Du bist ohne Quatsch die erste, die den auf Anhieb sagen kann!" Dann entgegnete sie mir auf deutsch: "Ich bin aus Rosenheim". Ich musste laut loslachen und schon war jegliches Eis gebrochen. 

 

Morgen Früh geht's zum Termin ins Austrian Cultural Forum nach Manhattan, also mach ich mich mal auf ins frisch mit Majas Bettwäsche überzogene Bett – und stelle mir zum Einschlafen die wahrscheinlich letzte große Frage der Menschheit: Wieso bekommen eigentlich immer alle meine Socken gleichzeitig Löcher? Gute Nacht. 

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