Tag 14

Wäsche und Pläne

Dieser Sonntag Morgen fing erst einmal super gemütlich mit einer kleinen Versammlung in der Küche an. Ich saß beim Frühstück mit Maja, Chase und Stephanie zusammen und wir hatten wieder einmal eine wunderschöne Unterhaltung, die ich über alle Maßen genoss. Maja hatte erst die Idee nächsten Sonntag mit dem Auto von Chases Freund nach Beacon upstate zu einer Tanz-Performance in einem tollen Museum zu fahren. Das ist natürlich genau da, wo ich grade eben erst war, aber ich wär natürlich trotzdem voll und ganz am Start. Sie hat vorgeschlagen ein bisschen wandern zu gehen und dann zu der Vorstellung – ich bin dabei! Danach ist den Mädels eingefallen, dass schon bald das Memorial Wochenende ist und praktisch alle frei haben. Also die nächsten Pläne.

Stephanie und Maja hatten die Idee ein Auto zu mieten und in die Hamptons zu fahren, wie das alle New Yorker an einem verlängerten Wochenende im Sommer machen. Aus demselben Grund sind aber auch keine erschwinglichen AirBnBs mehr zu finden. Es müssen aber auch nicht die Hamptons sein - die sind sowieso zu "bushy". Lieber wo anders hin. Ich holte meinen Laptop und wir klickten uns durch Google Maps und AirBnb. Ein günstiges kleines Häuschen am Ufer von Mystic, Connecticut stach uns ins Auge: Leistbar, süß, am Wasser und rund herum NICHTS! Da wollen die Stadt-Leute also hin. Ich musste aber zugeben, es sah wirklich süß aus und mit Stephanie, Maja, Emilie und einer weiteren Freundin (die ich noch nicht kenne) stelle ich mir das auch super witzig vor. Wir schauten noch ein bisschen nach Mietautos um und entschlossen uns das in den nächsten Tagen fix zu machen. Erst fragt noch einmal jeder ein rum, ob wir irgendwo vielleicht ein Auto über Freunde finden könnten. 

 

Am frühen Nachmittag rafften Stephanie und ich uns dann endlich auch auf nach draußen. Wäsche machen! Wir spazierten ein paar Blocks die Wyckoff hoch bis zum KeyFood Supermarkt, wo gegenüber gleich ein großer Waschsalon ist. Am Weg dort hin video-telefonierte sie (als ob es das Normalste auf der Welt wäre) ohne Kopfhörer mit ihrer Mutter, die gerade ihr Muttertagsgeschenk bekommen hatte. Ihre Mutter wohnt in North Carolina und Stephanie hatte Blumen und Schokolade an ihre Tür liefern lassen, als kleines Geschenk. Wie Klischee. Aber ihre Mum hat sich wirklich darüber gefreut, das Telefonat mit anzuhören war süß. Im Salon angekommen war ich froh, Stephanie an meiner Seite zu haben. Alle sprachen nur spanisch und es gab unzählige Größen an Waschmaschinen. Das Waschen dauerte ca. 40 Minuten, die wir mit Quatschen auf diesen typischen Bänken verbrachten, während wir der Wäsche in der Trommel beim Schleudern zuschauten. Dann nochmal 16 Minuten Trockner. Währenddessen liefen wir gegenüber in den KeyFood und holten ein paar Lebensmittel, die uns ausgegangen waren. Dann noch einmal 16 Minuten, es war noch nicht trocken. Nach über einer Stunde war dann endlich alles erledigt und wir spazierten bei den ersten Regentropfen nachhause. 

 

Wir legten aber nur eine kurze Pause daheim ein, Stephanie fragte mich nämlich ob ich mit ihr und Merit (eine Finnin, die damals im November in der SkyFortress gewohnt hat) einkaufen zu gehen. Secondhand in Williamsburg. Ich wollte nicht wirklich einkaufen, aber das Wetter war schön und ich wollte gerne jede Gelegenheit nutzen, die Mädels hier noch besser kennen zu lernen und Dinge mit ihnen zu unternehmen. Also ging ich mit. Wir stiegen an der Bedford Avenue aus und ich zeigte Stephanie den Weg zu Beacon's Closet, der genau zwischen Williamsburg und Greenpoint liegt und freute mich ein bisschen, dass sie auf GoogleMaps nachschauen wollte, wie wir gehen müssen und ich den Weg kannte. 

Dort angekommen trafen wir Merit und verbachten erst einmal eine Ewigkeit in dem Secondhand-Laden, und stöberten uns durch. 

Nachdem das erledigt war, waren wir uns einig: Eine Pause. Kaffee. Vielleicht ein Doughnut. Wir schlenderten weiter in Richtung Greenpoint und erreichten irgendwann einen Doughnut-Laden der unglaublich gut sein soll und stellten uns in die Schlange, bis Merit feststellte, dass sie eigentlich schon mehr hunger als nur auf einen Doughnut hat, Stephanie und ich zustimmten und wir kurzerhand entschlossen den Plan über den Haufen zu schmeißen und lieber mit dem Bus zu einem leckeren veganen Diner fahren. Ich war dort noch nie, also vertraute ich einfach auf ihre Kenntnisse. Das hat sich ausgezahlt. Der Bus brachte uns wieder in Richtung Bushwick, also Heimat, und nahe der Montrose Avenue stiegen wir aus und gingen in das Champs Diner. Ich hatte "fried Mac&Cheese"(!), die Mädels Pommes, Wings und einen Milkshake. Alles vegan. Alles unglaublich lecker. Wenn ich das hier aufschreibe, klingt es, als wäre alles innerhalb einer Stunde passiert. Tatsächlich kostete es uns aber den kompletten Nachmittag – wahrscheinlich weil die Zwischenräume vollgepackt mit guten und langen Unterhaltungen waren. Merit hat vor einem Jahr die GreenCard Lotterie gewonnen und ihr US-Visum auf Lebenszeit einfach so nach dem ersten Versuch bekommen. Nur so als Info. Wunder passieren.

 

Als wir gerade zahlten, meldete sich Chris, mit dem ich ausgemacht hatte mich heute Abend zu treffen. Seine Schicht war gleich zu Ende und weil ich gerade genau zwischen Williamsburg und Bushwick war, überlies ich ihm die Entscheidung wo wir uns treffen. Williamsburg also. Ich nahm den L-Train ein paar Stationen zurück, schaute im Café Beit auf einen Tratsch mit Jon und Patrick vorbei und holte Chris ab. Wir gingen nur ein paar Türen weiter, in eine unserer Stammbars "Soft Spot", weil die immer ganz gute HappyHour Angebote und einen schönen Hinterhof haben. Wir quatschten eine Weile in Ruhe an der Bar, was uns bis jetzt, seit ich hier bin, nicht wirklich möglich war. Es tat gut einmal wieder Zeit und Stille zu haben um so richtig in ein gutes Gespräch mit ihm zu kommen. Seine Freundin Lisa war in der Zwischenzeit mit einem Freund von ihr unterwegs, den ich letzten Mittwoch beim Konzert kennengelernt habe. Und weil Brooklyn ein Dorf ist, sahen wir sie schon vom Fenster aus auf die Bar zusteuern. Wir alle vier begannen zu lachen. Wir begleiteten die beiden also in den Hinterhof und hatten die nächsten zwei Stunden witzige Unterhaltungen über verrückte Busfahrten, Kaffeehäuser in Europa und den USA und unsere Schulsysteme.

 

Mit frisch gewaschener Wäsche, einer neuen Secondhand-Bluse und einem netten Abend in einer Freundesgruppe, bin ich startklar für die nächste Woche.

Morgen will mich Maja am Vormittag gerne ins Café Beit begleiten, weil sie auch Arbeiten auf ihrem Computer zu erledigen hat. Yey!

 

Und: ich habe heute wieder eine Menge Flaschen bekommen und angefangen, die zweite Geschichte auszudrucken. Ich habe nämlich in unserer Wohnung und auch am Gang von unserem Stockwerk, an den Mülltonnen eine Tüte und ein Schild "Ich sammle eure Plastikfalschen" aufgehängt und mittlerweile eine ganze Menge dadurch sammeln können. Tatsächlich habe ich noch nicht eine Flasche selbst gekauft, bisher konnte ich alle durch die Nettigkeit meiner Mitbewohner und Nachbarn sammeln - und eine habe ich auf der Straße gefunden und schnell eingesteckt. :-)