Tag 21

Brooklyn Flea

Was für ein fantastischer Sonntag! Ich bin gestern wie erwähnt ziemlich früh ins Bett gegangen – ganz im Gegensatz zu dem Rest der SkyFortress. Als ich heute Morgen Frühstück gemacht habe, fehlte noch jede Spur von meinen Mitbewohnern. Nicht der kleinste Mucks kam aus den Zimmern. Die Spuren der vergangenen Nacht waren hingegen kaum zu übersehen. 

Deshalb fing ich nach dem Frühstück erst einmal gemütlich im Wohnzimmer zu arbeiten an. Thema und Jonathan waren die einzigen, die nicht gefeiert haben und dementsprechend früh zurück aus ihrem Van und in der Wohnung um sich an ihre Arbeit zu setzen. Deshalb machten wir das wieder gemeinsam am großen Wohnzimmertisch. Ich hatte heute Früh eine schöne Idee für eine Kurzgeschichte und legte sofort los. Ich war im Flow, wie man so schön sagt und tippte in die Tastatur ohne zu bemerken, wie die Zeit verflog. Als ich irgendwann am Ende meiner Kreativität angelangt war- gegen 14:00 Uhr- schrieb ich den Mädels eine Gruppennachricht, ob sie denn vor hätten, in Naher Zukunft einmal aufzustehen. Es wäre nämlich Sonntag und der letzte schöne Tag bevor es wieder regnen soll. 

Stephanie war die erste, die sich aufraffte. Mein Vorschlag zum Brooklyn Flohmarkt nach DUMBO zu fahren, gab ihr den letzten Stups um aus den Federn zu kommen. 

 

Wir nahmen den Bus B57 um der Ecke unseres Hauses, der uns bis nach DUMBO bringen sollte. Für alle, die es vergessen haben. DUMBO steht für "Down Under Manhattan Bridge Overpass" und ist das süße, hippe aber überteuerte Viertel zwischen der Manhattan- und Brooklyn Bridge, direkt am Wasser zum East River aber eben am Brooklyn-Ufer. Wir fuhren eine ganze Weile, der Verkehr war die Hölle, der Ausblick aus dem Busfenster aber der Himmel. Der B57 chauffierte uns durch South-Williamsburg, einem großen jüdischen Viertel, das wie eine andere Welt wirkt. Jüdische Familien waren unterwegs zu ihren Sonntäglichen Unternehmungen und Festen, die Schilder durchwegs auf Hebräisch, die Bäckereien dufteten bis in den Bus hinein. Als wir endlich die komplette Flushing Avenue bis ans Wasser gefahren waren, zogen wir die Stop-Leine im Bus und hüpften unter der Manhattan Brücke aus dem Bus. 

 

DUMBO ist immer wieder bezaubernd. Die alten Industriegebäude sind so wunderschön modern renoviert und zwischen ihnen zieht sich Kopfsteinpflaster die Hügel hinunter und lassen an fast jeder Ecke einen atemberaubenden Blick auf den Fluss und die beiden pompösen Brücken zu, die mir immer noch Gänsehaut bescheren. Am letzten Block vor dem Flussufer, direkt neben und unter der Manhattan Bridge reihten sich die kleinen Stände des Flohmarkts. Bis zum letzten Jahr war der Brooklyn Flea jeden Sommer auf dem Gelände einer Schule in Clinton Hill, in der Gegend, in der ich damals gewohnt habe. Dieses Jahr findet er das erste Mal hier statt und obwohl ich großer Fan von Clinton Hill bin, muss ich zugeben, dass die Lage hier auch auf jeden Fall seine Reize hat. 

Als wir gerade angekommen waren, schrieb uns Maja, dass sie gerade aufgewacht sei und sofort in ein Uber hüpfen will um zu uns zu kommen.

Stephanie und ich fingen solange schon einmal mit dem Durchstöbern an...

 

Es gab einfach alles. So viel zu entdecken, zu bewundern und zu fotografieren. Auch zu kaufen natürlich. Und während meine beiden Freundinnen kräftig zuschlugen, schaffte ich es, mich zu beherrschen und gönnte mir lediglich ein Curry-farbenes $3-Tuch, für die Haare. 

Maja und ich teilten uns einen Doughnut, weil die Mädels fest davon überzeugt waren, dass die Firma "DOUGH" mitunter die besten Doughnuts der Stadt backte und hier mit einem kleinen Stand vertreten war. Oh wow! Geschmacksexplosion und Wolkenkonsistenz! Das war mit Abstand der beste Doughnut, den meine 25 Jahre alten Geschmacksnerven je zu spüren bekommen haben. Die haben ihre Ansprüche ab sofort ein ganzes Stück höher geschraubt. 

 

Während wir durch die zahlreichen staubigen Schätze der Vergangenheit kramten, bemerkten wir gar nicht wie unsere Zukunft durch die Gegenwart schlich und sich unbemerkt aus dem Staub machte. Erst als unsere Mägen langsam zu knurren begangen, war klar: Es wird Abend. Wir brauchen Essen. Also spazierten wir weiter, unter der Brooklyn Bridge hindurch, bis zum Brooklyn Bridge Park. Dort holten wir uns Burger im berühmten Shake Shack und setzten uns damit in die Pole Position des Parks - an einen Tisch am Wasser. Kein überteuertes Schicki-Micki-Restaurant kann die Aussicht toppen, die wir von den billigen Plastikstühlen aus hatten. 

 

Als die Sonne langsam hinter der Skyline verschwand, spazierten wir ein paar Blocks zurück in Richtung Bus. Am Zebrastreifen vor der Haltestelle sahen wir ihn davon fahren. Mist. Naja, dachte ich mir, dann eben 20 Minuten quatschen, dann kommt der nächste... Nicht so die anderen. Warten kam gar nicht in Frage, viel zu kostbar die Zeit in dieser Stadt. Zack-Zack war ein Uber gerufen und vier Minuten später saßen wir im Auto zurück nach Bushwick. Da die beiden Mädels ihren Umständen entsprechend viel unternommen haben, freuten sie sich darauf, den Rest des Abends nur noch zu chillen. Nach einer kurzen Modenschau von all den Sachen, die sie am Flohmarkt ergattert hatten, schmissen wir uns in unsere gemütlichsten Jogginghosen und anschließend in Stephanies Bett um gemeinsam den Film "Elizabethtown" zu schauen. 

 

Jetzt ist es 23:30, die Mädels im Bett, Russ und Chase in der Küche, der Rest der Wohnung irgendwie immer noch verschollen. Ich werde gleich schlafen gehen, morgen stehen schon wieder zahlreiche Pläne an und ich muss früh aufstehen... aber davon hört ihr dann ja übermorgen :-)