Tag 32

workflow

(den ersten Teil dieses Artikels habe ich am Nachmittag geschrieben, solltet ihr den also am Abend oder ganz ganz früh Morgens gelesen haben, scrollt runter... Ihr müsst hören, wie mein Abend war.)

 

Ich weiß endlich wie es sich anfühlen muss, wenn man einen Job hat, den man liebt. Ich habe mich heute Morgen so sehr aufs Produktiv sein gefreut, wie schon lange nicht mehr. Es war mir zu viel Freizeit in den letzten Tagen, zu viel Ablenkung, zu viel Nichts-schaffen und ich konnte es kaum erwarten den Tag mit Wichtigkeit zu füllen. Einen wichtigen Teil habe ich ja gestern noch geschafft - das Interview mit Stephanie für mucbook war mir wichtig und ich liebe das Ergebnis. Sie hat so tolle Dinge gesagt und ich freue mich, dass sie New York genauso beschrieben hat, wie ich es auch getan hätte. Schön zu sehen, dass ich mit meiner Meinung und meinen Eindrücken von der Stadt nicht ganz alleine dastehe. Ich mag das Interview – nur schade, dass sie es selbst nicht lesen kann. Ich muss es vielleicht noch einmal zurück übersetzen für sie. 

 

Heute Morgen freute ich mich dann gleich beim Frühstück, als ich gesehen habe, dass mucbook das Interview schon auf Social Media geteilt hat. Danach machte ich mich an meine zweite Arbeit: Narrating City. Ich bereitete die restlichen Flaschen für die dritte Geschichte ("Siren's Song" von einer Kommilitonin der LMU) vor, nahm das nächste Kapitel von "Mattress on the floor" online und checkte Statistiken und Social Media und den ganzen Kram. Zu Mittag verkochte ich Reste von mir und Maja – es wird wieder Zeit für den Supermarkt-Ausflug. Aber nicht heute. Heute will ich Wichtigeres machen. Ich will nach Greenpoint und die nächste Geschichte verteilen. Bei meinem Spaziergang in der Nachbarschaft gestern wurde mir klar: Hier muss Narrating City als nächstes auftauchen. Blöd nur, dass heute so ein schöner Tag ist. Ich wollte es aber trotzdem versuchen. In meiner neuen Lieblingshose von Maja und meinem neuen Frightened Rabbit Beutel nahm ich den L-Train nach Greenpoint. Es ist nun offiziell der erste Monat vorbei – ich musste die MetroCard heute neu aufladen und dabei kamen mir fast die Tränen. Ein Drittel ist vorbei, es vergeht viel zu schnell. Umso wichtiger, den Fokus auf die Arbeit nicht zu verlieren. Meist sind es so dumme kleine Dinge, die mich von ihr abhalten. Wie zum Beispiel jetzt: Mir ist heute Vormittag der Wollfaden ausgegangen, mit dem ich die Papierrollen zusammenbinde, damit man sie aus den Flaschen ziehen kann. Ich habe bereits gesehen, dass einige Flaschen in Bushwick leer sind und ich sollte sie dringend wieder befüllen... erst brauche ich aber einen neuen Faden... Nervig, solche Kleinigkeiten. Ich will nicht extra wieder nach Clinton Hill fahren müssen in den Bastelladen, so einen Wollknäuel sollte man doch auch sonst irgendwo finden können... Nur weiß ich nicht wo. Also dachte ich, hänge ich erst einmal die Flaschen auf, die ich habe und halte die Augen nach der Wolle offen. 

Und dann die zweite Kleinigkeit: Es ist leider wirklich, wie befürchtet ziemlich schwierig heute Flaschen aufzuhängen. Oder mich zu überwinden es zu machen. Die Straßen sind voll und die wenig leeren Gassen zu weit ab vom Schuss. Ich lief eine Stunde durch Greenpoint, aber traute mich einfach nirgends. Weil ich am Verdursten und Schmelzen war, entschied ich mich für eine Pause im Café Beit, wo ich noch ein paar andere Sachen erledigen wollte. Geld an OneOneFive für das Video überweisen, Handy für Juni bezahlen, diesen Blog schreiben... Ja und hier bin ich nun. Mich drückend von dem kleinen Teil meiner Arbeit, der mich jedes Mal wieder Überwindung kostet. Aber ich mache es noch... Gar keine Frage. Um 19:00 Uhr gehe ich zu einer Storytelling Show in Astoria, Queens. Die Mädels haben wahrscheinlich keine Zeit, also werde ich alleine gehen. Vielleicht frage ich Luq noch, der mag solche Dinge ja auch. Aber auf jeden Fall wollte ich mir das heute mal anschauen um mir zu überlegen, ob ich mir vorstellen kann, daran auch mal teilzunehmen. 

Bis dahin muss ich die Flaschen los sein, die will ich nicht in den Buchladen schleppen. Also werde ich mich gleich wieder auf den Weg machen, zurück in Richtung Greenpoint und es auf ein Neues versuchen. Drückt mir die Daumen.

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22:53 - Zurück in der SkyFortress. Lasst mich noch einmal ausholen, um meinen Abend zu erzählen. Es war ein Schöner. Nach dem Punkt des letzten Absatzes klappte ich den Laptop zu, gab Patrick ein High-Five zum Abschied und verließ das Café Beit in Richtung Norden, in Richtung Greenpoint. Mit meinen vier Flaschen in der Tasche versuchte ich es auf ein Neues. Die Sonne stand irgendwie immer noch hoch am Himmel und die Straßen waren immer noch voll mit Menschen. Verdammt. Ich wollte sie unbedingt heute unter die Leute bringen, aber eben nicht, wenn sie dabei zusehen. Ich spazierte bis zur Greenpoint Avenue, mit jedem Block den ich hinter mir lies wurde mir klarer, das geht heute nicht. Ich wollte einfach nicht einsehen mich auf ruhigere Nebenstraßen zu beschränken – das macht keinen Sinn. Nur weil es einfacher ist, sie dort aufzuhängen, ist es auf lange Sicht nicht gut, wenn sie ab vom Schuss sind. Es muss die Nassau oder Manhattan Avenue sein! An der Greenpoint Avenue angekommen, beschloss ich, dass es schlauer ist auf den nächsten Regen zu warten. Oder sonst einen Tag, an dem hier weniger los ist. Die bereits bestehenden Flaschen zu befüllen ist weniger riskant, das geht schneller und ist auch nicht so auffällig. Aber sie tatsächlich aufzuhängen fühlt sich immer noch ein bisschen illegal an. Obwohl es wahrscheinlich keinen juckt. Und ich das vielleicht auch darf. Egal - das geht heute nicht. Es brach mir das Herz aber okay... Ein Schritt zurück. Dafür gleich zwei nach vorne. 

 

Es war ungefähr 18:00 Uhr als ich an der Greenpoint Avenue in den G-Train stieg um noch ein Stück weiter nach Norden zu fahren. Ich wechselte an der Court Street in den 7-Train und eine Station weiter in den W-Train. Ich war noch nie zuvor in Astoria und Patrick hatte mir zuvor im Café erzählt, dass das eine ziemlich coole Gegend ist mit unglaublich gutem Essen. Natürlich. Das Essen wieder. Egal welche Nachbarschaft ich erwähne, überall soll irgendeine Art von Küche besonders gut sein. Ich glaube ihm natürlich, entschied mich aber trotzdem darauf zu verzichten. Was glauben die Leute eigentlich, wie viel Geld ich für Essen ausgeben kann? 

Der Zug fuhr wieder einmal an der Oberfläche, über den Dächern von Queens und der Ausblick in Richtung Manhattan war traumhaft. An der Station Broadway – die gibt es unzählige Male in dieser Stadt – stieg ich aus. Hier in der Nähe sollte der Astoria Buchladen sein, in dem heute Abend eine Storytelling-Open-Mic-Night stattfinden sollte. Ich wollte so etwas schon lange einmal sehen. Ich weiß gar nicht mehr wie, aber irgendwie fand ich diese Veranstaltung vor ein paar Tagen auf Facebook und entschloss mir das endlich einmal anzusehen. Stephanie wollte gerne mitkommen, hatte aber ihre Spanisch-Stunde. Ich fragte dann doch nicht mehr herum, sondern entschied, dass es sowieso besser ist, wenn ich alleine hingehe. Viel zu lange ist es her, dass ich in dieser Stadt über meinen Schatten gesprungen bin und es war Zeit einmal wieder so ein Erfolgserlebnis zu haben. 

Der Buchladen war schnell gefunden und zum Glück war ich 45 Minuten zu früh dran, denn genau so viel Zeit brauchte ich, um mich durch ihr tolles Sortiment zu stöbern. Es gab richtig coole Empfehlungen und ein ganzes Regal mit Büchern über das Schreiben. Ich sah mich um, las mich rein und fragte am Ende doch nach dem einen Buch, das ich schon im Kopf hatte. "Difficult Women" ist das neue Buch von Roxane Gay ("Bad Feminist"). Ihre erste Essay-Sammlung habe ich zwar noch nicht gelesen, aber ich weiß, dass Nikola sie gut fand und das reicht schon einmal. Stephanie hat mir dann von ihrem neu erschienenen Buch erzählt, das sie in ein paar Tagen verschlungen hat. "Difficult Women" ist im Gegensatz zu "Bad Feminist" kein Essay, sondern eine Sammlung von fiktionalen Kurzgeschichten. Da ich aber nicht genau wusste, wie sehr ich Stephanies Buchgeschmack trauen kann, fragte ich bei den beiden Verkäuferinnen nach. Beide waren ganz begeistert davon und empfohlen mir, das Neue zu kaufen, wenn ich Kurzgeschichten mag. "Sie sind schon hart, es ist keine leichte Lektüre, aber unglaublich gut und ehrlich." Das hat mich überzeugt. Außerdem rechtfertigte ich meine 20$ damit, dass ich gerade mit Kurzgeschichten arbeite und es nicht schaden kann, mal wieder moderne Werke dieses Genres zu lesen. Ich bin gespannt. 

Dann wurden auch schon die Stühle aufgebaut. Langsam wurde der Laden voller und als die ersten paar Leute Platz nahmen, saß ich mich dazu. Es waren nicht viele Stühle, das Publikum war überschaubar – vielleicht waren es 10. Ich merkte auch schnell, dass sich alle kannten. Nach ein paar Minuten fragte mich der Typ neben mir, ob er heute eine Geschichte von mir hören würde. Ich verneinte und erklärte, dass es mein erstes Mal bei einer Veranstaltung dieser Art ist und ich mir das erst einmal ansehen will. Die nächsten 10 Minuten bis "Show-Beginn" quatschte ich mit den vier Leuten um mich herum ein bisschen Small-Talk. Offensichtlich war ich die einzige, die zum ersten Mal hier war. Es war aber nicht unangenehm oder komisch, sie bezogen mich schnell in all ihre Themen mit ein. Ich fühlte mich Willkommen. Dann ging es los. Es gab einen "Host" der den Abend mit einer Geschichte begann und dann nach und nach Zettel mit Namen aus einem Korb zog und die jeweiligen Leute auf die Bühne bat. Die Regeln sind einfach: Man hat 5 Minuten Zeit frei eine Geschichte zu erzählen. Sie muss wahr sein. Alles andere bleibt einem überlassen. Die meisten hatten total "normale", unaufgeregte Alltagsgeschichten zu erzählen, schmückten sie aber mit tollen Pointen, witzigen Kommentaren, einer Moral oder Ähnlichem aus. Manche waren tiefgründiger, fast literarisch. Sie waren einstudiert, keine Frage, klangen aber frei und spontan. Manche von ihnen schienen Spaß an dem Schauspiel zu haben, klangen wie Stand-Up-Comedians, andere legten mehr Wert auf den Twist oder die Dramaturgie in der Geschichte an sich und erzählten sie ruhiger, ohne viel Show. Es war fantastisch. Ich lachte Tränen, bekam Gänsehaut und war voller Spannung. Ich weiß nicht mehr wie viele Leute am Ende ihre Geschichten erzählt haben aber die Stunde verging wie im Flug. Jeder kam an die Reihe. Ich war begeistert! 

Am Ende klappte jeder seinen Stuhl zusammen. Also machte ich das auch und lehnte ihn zu den anderen an die Wand. Der "Moderator" des Abends streckte mir dabei seine Hand entgegen und stellte sich vor. "Du bist neu oder? Hat es dir gefallen?" Ich konnte meine Begeisterung sowieso nicht verbergen und bedankte mich für die tolle Veranstaltung. Im Trubel des Aufräumens blieb es bei den wenigen Worten und die Leute verteilten sich im Raum. Ein bisschen verunsichert ging ich nach draußen und bereute es schnell. Warum bin ich sofort abgehauen? Ich hätte versuchen sollen mit den anderen zu reden... Ich ärgerte mich über mich selbst, aber es war so offensichtlich, dass sich alle anderen kannten, dass ich wahrscheinlich Angst hatte allein blöd rum zu stehen. Ich sage wahrscheinlich, weil ich nicht genau weiß, was in diesen zwei Sekunden in meinem Kopf genau passierte. Der Griff zum Türknauf war eine Kurzschlussreaktion und die Tür leider direkt neben mir. Nach ein paar Schritten in Richtung U-Bahn waren meine Gedanken wieder klar. Blödsinn. Geh zurück! Ich drehte mich entschlossen um. Und wieder zurück. Verdammt. Hinter mir kamen bereits ein paar der Teilnehmer in meine Richtung. Jetzt umzudrehen wäre super peinlich. Also ging ich weiter in Richtung U-Bahn, legte einen Zahn zu und bog zweimal links ab. Einfach einmal um den Block. Dann bin ich zurück, dann zwinge ich mich zum Networken. 

Zurück am Buchladen standen ein paar wenige noch davor und quatschten. Der Moderator war unter ihnen und stellte mich den anderen vor. Er wusste den Namen noch, was für ein Glück. Ich schob meinen Touristen-Status vor und erklärte, ich wollte noch kurz nachfragen, ob es noch mehr dieser Events gibt. Der Astoria Buchladen veranstaltet dieses nämlich nur einmal im Monat, was bedeutet, dass ich nur noch einmal hingehen kann. Sie zählten eine ganze Reihe von Veranstaltungen dieser Art auf und der Moderator, David Lawson, bot mir seine Facebook-Freundschaft an, damit ich von allen Events dieser Art erfahren kann. Außerdem gibt es eine Gruppe auf Facebook ("NYC Storytelling") der ich beitreten soll, um wirklich gar nichts zu verpassen. Perfekt. Das ist also Networking... gar nicht so schwierig. Mit zwei der Teilnehmern spazierte ich dann zur Ubahn und wir quatschten noch eine Weile weiter. Schon logisch, dass Leute, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen super aufgeschlossen sind, aber ich freute mich trotzdem darüber, dass es so einfach war mit ihnen zu reden. Die Unsicherheit, die mich kurzzeitig nach dem Ende der Veranstaltung überkommen hatte, war wieder weggeblasen. Bis auf diesen kleinen Aussetzer, der im Grunde nur wenige Sekunden dauerte, war es heute eigentlich gar keine Überwindung für mich. Das machte mich ein bisschen stolz. Am Weg zum Event dachte ich mir gar nichts dabei. Währenddessen fühlte ich mich total wohl und hätte mich die Sekunde Unsicherheit zwei Meter von der Tür entfernt überkommen, hätte ich sie auch im Buchladen überstanden. Ich fühlte mich wohl, weil ich wusste, hier teilen die Leute meine Interessen. Hier würde mich niemand verurteilen, dass ich davon Träume zu Schreiben, dass ich drei Monate auf Geld verzichte um das hier zu machen. Ich wusste, die Leute hier würden sogar mein Projekt zu schätzen wissen, denn oft bin ich mir nicht so sicher, was andere davon halten. Das ist auch völlig O.K., mir ist bewusst, dass die Idee nicht für jeden so schön romantisch ist, wie ich sie empfinde. Aber ich glaube, hier würden meine Chancen ganz gut stehen. 

Nachdem ich mich verabschiedet hatte und in den G-Train umstieg, war ich von Kopf bis Fuß inspiriert. Noch im Zug holte ich mein Büchlein heraus und begann zu schreiben... Ich kann das auch, ich will das auch. Das wäre der letzte Sprung über meinen Schatten, der mir noch fehlt um auf die andere Seite meiner Selbst zu kommen – auf die Sichere. Warum nicht, ich versuche das einfach mal in meinem Zimmer, vielleicht schaffe ich es bis Ende Juli noch ein paar Mal zu diesen Events und vielleicht, ganz vielleicht schaffe ich es auch mich einmal nach vorne zu stellen. 

Auf jeden Fall fühlte ich mich am Heimweg ein Stückchen sicherer, motivierter und voller Energie. Es war ein tolles Erlebnis. Jetzt, wenn ich zurück blicke, denke ich, es war das Gemeinschaftsgefühl, das es so toll gemacht hat. Es war nicht einfach eine Show, die ich mir ansah und wieder ging. So viele Leute sprachen mich an, weil ich Neu war, freuten sich ehrlich, dass ich gekommen bin und dass ich ihre Leidenschaft teile. Nichts davon war gespielt. Die würden mich wieder erkennen, wenn ich im nächsten Monat dort auftauchen würde. 

 

Weil ich so voller Euphorie war, stieg ich wieder an der Greenpoint Avenue aus, anstatt weiter zu fahren. Ich wollte gehen. Es war dunkel geworden aber die Wärme war geblieben. Es ist eine unglaublich schöne Sommernacht. Ich hatte nicht einmal etwas zum Drüberziehen dabei, das war aber auch gar nicht nötig. Greenpoint war immer noch dicht besucht, immer noch keine Chance für meine Geschichte. Aber egal, dachte ich mir, dafür habe ich heute andere Erfolge verbucht. Und immer noch am Vormittag  viel Arbeit geschafft.

Ich spazierte weiter und weiter, brachte es nicht übers Herz in den Untergrund dieser wunderschönen Stadt abzutauchen und spazierte bis an die Lorimer Street zum L-Train. Am McCarren Park kam ich überraschend an einem gratis Freiluft-Kino vorbei, schaute ein paar Minuten zu und schlenderte dann weiter. Ich kann gar nicht erklären, wie schön diese Sommernacht ist. Ich genoss es alleine zu sein und zögerte das Heimkommen noch ein bisschen raus. 

Zurück in Bushwick (wahrscheinlich war es 22:00 Uhr oder so) ging ich deshalb noch zum City Fresh Supermarkt, damit das auch erledigt ist und ich morgen Früh nicht wieder Milch von meinen Mitbewohnern stehlen muss. Und ich sollte ab und zu ausnutzen, dass der City Fresh 24/7 offen hat, sonst arbeiten die armen Leute ja umsonst Nachtschichten. Die Tüten schleppte ich dann durch die warmen, dunklen Straßen von Bushwick und obwohl sie noch so schwer waren und der Heimweg noch so anstrengend, konnte ich nicht aufhören zu grinsen. Ich fühlte mich so wohl in meiner Haut, in meinem Leben. Ich fühlte mich wieder ein Stück mehr local, mehr zugehörig. Ich sah mich um und stellte mir vor, das erste Mal die Flushing Avenue in Richtung SkyFortress zu laufen. Als wirklicher Tourist, der das hier zum ersten Mal sieht... Ich würde mir in die Hosen machen, ich hätte Angst alleine hier. Sogar Brian fragte mich vor kurzem, ob ich diese Straßen hier wirklich Nachts alleine lang gehe. Ich lachte ihn nur aus. Soll ich deshalb etwa drinnen bleiben? Er hatte auch keine Antwort darauf. Ich lachte am Heimweg meinem alten-Ich entgegen. Dem unsicheren Mädchen, das ich noch vor 14 Monaten war. Ich weiß nicht wie ich es euch erklären kann, ich glaube nicht, dass man es nach außen stark bemerkt und ich glaube, ich war meistens ganz gut darin Unsicherheiten zu überspielen. Aber glaubt mir einfach, wenn ich euch sage: Diese Stadt und all die Erlebnisse, die ich hier hatte, hat mich über mich hinaus wachsen lassen. Mein Inneres hat sich so stark verändert, dass es mich selbst noch manchmal überrascht. So wie heute am Heimweg. Ich war überrascht von meiner Selbstsicherheit, meiner Furchtlosigkeit, meiner Zufriedenheit mit mir selbst. Ach New York...