Tag 39

so viel zu tun, so wenig Zeit

Ok, das war gerade verrückt. Ich habe gerade den ersten Absatz dieses Artikels geschrieben und mir dann was zu trinken geholt. Als ich zurück kam und auf meinen Bildschirm sah, bemerkte ich, dass ich in Englisch geschrieben habe. Zum Glück ist es mir früh genug aufgefallen aber auch überraschend spät. 

 

Ich habe schon wieder ein paar Tage nicht geschrieben, aber ich schwöre euch, die Tage werden gerade wirklich kürzer und kürzer, es bleibt einfach nicht genug Zeit um mich Abends noch an den Blog zu setzen. Jetzt muss ich überlegen, was in den letzten drei Tagen war... Ich sehe auf den Fotos auf dem Handy nach um alles rekonstruieren zu können. 

Ach ja. Am Dienstag Morgen habe ich wieder gearbeitet. Uninteressant für euch. Am Nachmittag fuhr ich wieder nach Greenpoint um noch ein paar weitere Flaschen aufzuhängen. Die ersten wurden bereits entdeckt, ein fremdes Mädchen verlinkte "Narrating City" auf einem instagram Foto einer Flasche. Sie schien sich darüber gefreut zu haben. Also verteilte ich noch mehr Falschen in der Gegend, es ist eine gute. :-) 

 

Ich machte mir einen schönen Spaziergang daraus, schaute bei Hanahs Apartment aus der Serie "Girls" und bei dem ein oder anderen Vintage Laden vorbei. Dann fragte Brian nach, was mein Plan für den Abend wäre, er sei in der Stadt. Ich hatte mit Stephanie und ihren Freunden ausgemacht zum "Punderdome" zu gehen, einer Comedy Veranstaltung in Downtown Brooklyn und lud ihn ein, uns zu begleiten, wenn ihn das interessieren würde. Und wie immer mit allen Leuten hier: Jeder hat auf alles Bock! Ich liebe diese Unternehmungslust meiner Freunde in New York, die Energie der Stadt die niemals schläft! Nachdem ich in Greenpoint fertig war, fuhr ich zurück nach Bushwick, machte noch ein paar Besorgungen im Supermarkt und den Läden in der Umgebung, raste heim um mich umzuziehen und dann war Brian auch schon da. Ich fragte ihn, ob wir sein Auto nehmen könnten – normalerweise bestehe ich auf die UBahn – aber die Verbindung nach Downtown Brooklyn ist von hier aus wirklich umständlich. Wir müssten den Zug nach Manhattan nehmen um dann wieder weiter südlich zurück nach Brooklyn zu fahren - das dauert 50 Minuten. Mit dem Auto ist es nur halb so lang. Wir hatten keine Tickets für die Veranstaltung bekommen, weshalb wir uns alle eine Stunde vorher in der Schlange treffen wollten, um zu versuchen, ein paar der Resttickets an der Abendkassa zu ergattern. Als Brian und ich ein bisschen zu früh ankamen war noch keine Schlange zu sehen, also gingen wir um die Ecke erst noch auf Bier und Burger und warteten auf Stephanie. 

Die Veranstaltung war nicht weit von meiner alten Wohnung aus dem letzten Jahr weg und ich freute mich, wieder in der Gegend zu sein. Nach ein bisschen Schlangestehen und Warten ging es dann los. Es war ein witziges Event. Pun = ein Wortspiel. Darum drehte es sich zwei Stunden lang. Jeder, der mitmachen wollte, konnte sich anmelden. Dann wurden Gruppen von 5 Leuten auf die Bühne gebeten, es wurde ihnen ein Thema gesagt und sie hatten ein paar wenige Minuten Zeit sich so viele Wortspiele wie möglich zu dem Thema einfallen zu lassen. Nacheinander bekamen sie dann 2 Minuten um im besten Fall eine Geschichte zu erzählen, in der sie alle Wortspiele einbauten. Manche brachten auch einfach nur einzelne Sätze, die nicht wirklich zusammen hängten, dafür aber sehr gute Wortspiele. Es war super witzig. Durch Klatschen entschied das Publikum, wer in die nächste Runde kommt. So ging das dann zwei Stunden, bis am Ende einer zum Sieger gekürt wurde. 

Es war verrückt, wie voll der Laden war – ein paar Hundert Leute, die Stimmung war toll und die Show sehr witzig. 

 

Der Mittwoch war dann wieder weniger spannend. Ich arbeitete weiter an dem Audiotrack für die Installation, einem neuen Text und dem ganzen Kram. Am Nachmittag änderte ich spontan meine Pläne, die ich eigentlich nicht hatte, also muss ich besser sagen: Am Nachmittag machte ich spontan Pläne. Brian rief an und sagte mir, dass er seine Schwester am JFK Flughafen abholen muss und ich könnte mit upstate fahren und mir dabei eine Zugstrecke sparen. Er würde mit ein paar Freunden in den neuen "Wonder Woman" Film gehen. Den wollte ich mir auch ansehen, es ist der erste Superhelden-Film mit einer weiblichen Superheldin, und – viel wichtiger – die erste weibliche Regisseurin eines solchen Filmes. Sie stellte mit dem ersten Wochenende, an dem der Film hier in den Kinos läuft einen neuen Rekord auf. Noch kein Film einer weiblichen Regisseurin hat am ersten Wochenende so viel Geld eingespielt. Ich habe bereits von Leuten gehört, dass er wirklich gut sein soll, super feministischer Hollywood-Superheldenfilm angeblich. Ich stellte die Bedingung, dass ich mich nur zu einem Upstate Ausflug überreden lassen würde, wenn wir dafür ins Dia Museum in Beacon gehen. Davon hat mir Maja schon so oft vor geschwärmt und das wollte ich unbedingt noch sehen, da es nicht weit von Poughkeepsie entfernt ist. Ok, deal.  

Wir brunchten noch mit seiner Schwester Fallon, die in der Karibik lebt und auf kurzem Heimatbesuch ist. Danach sah ich mir endlich den Walkway von oben an. Man spaziert erst eine Weile über die Dächer der Kleinstadt, bevor die Brücke irgendwann tatsächlich das Wasser erreicht. Der Blick von oben auf die Häuser von Poughkeepsie war aber sowieso viel spannender. Zum Spaß fuhren wir auch mit dem gläsernen Lift, mit dem man die Brücke hoch und runter zum Pier fahren kann. 

Das Abendprogramm war typisch US-Kleinstadt: Ins Einkaufszentrum, was kleines essen und dann ins riesen-Kino. Saal 15 von 18 (!) Inklusive viel zu großer Medium-CocaCola, die wir uns zu zweit teilten und nicht schafften und Popcorn mit Buttergeschmack. Die liebe ich! Leider. 

Der Film war – für einen Superheldenfilm – wirklich gut und ich mochte die Art und Weise, wie die Heldin dargestellt wurde, wobei die feministischen Witze fast einen Ticken zu viel waren. Aber sehenswert. 

 

Heute war dann Dia-Tag. Das Dia:Museum in Beacon ist ziemlich berühmt und unglaublich groß. Es ist ausschließlich moderne Kunst – sehr experimentell, wenn ich das so bezeichnen darf. Aber toll! Das ganze Museum ist ein Erlebnis!

Die Bilder können das wie immer nicht wirklich rüber bringen. 

Danach nahm ich den Zug zurück und setzte mich wieder an meinen Computer in der Wohnung. In ein paar Minuten muss ich noch einmal los. Stephanie hat über Craigslist eine Klimaanlage für ihr Zimmer gekauft und ich helfe ihr sie hier in die Wohnung zu transportieren. Zum Glück ist der Verkäufer nicht weit von uns entfernt, das sollte machbar sein. 

 

Hier ein paar Slang-Worte, die ich neu gelernt habe und ganz witzig fand:

 

fomo (Jugendsprache) = fear of missing out! Also die Angst, etwas zu verpassen. Damit begründete Stephanie ihren ständigen Tatendrang :-)

 

Für das nächste müsst  ihr wissen: Wenn die Polizei einen Autofahrer anhält, hat das ja für gewöhnlich einen bestimmten Grund- dafür gibt es Abkürzungen, wie "DWI" = driving while intoxicated, "DUI" = driving under influence zum Beispiel. Ersteres steht übrigens für Drogen im Blut, während letzteres das tatsächliche betrunken oder unter Drogen stehende fahren beschreibt. 

Diese Abkürzungen werden offiziell so verwendet, auch von der Polizei. Es gibt aber eine bestimmte Abkürzung, die nur von den Bürgern, nicht aber von der Polizei selbst verwendet wird. DWB = driving while black. 

So witzig das klingt, es kommt wie wir ja auch aus vielen Medien kennen, immer noch häufig vor, dass der einzige Grund für das Heranwinken und Kontrollieren von bestimmten Fahrzeugen die Hautfarbe der Fahrer ist. So häufig, dass diese Bezeichnung super gängig und allseits bekannt ist.