Tag 41

Die (Fuß)Spuren von Gestern

Heute wird das Schlafen schwierig, das weiß ich jetzt schon. Ich bin nicht ausgelastet. Körperlich. Dabei habe ich meinen Körper ja eigentlich 25 Jahre lang darauf trainiert, mit minimaler Bewegung gut zurecht zu kommen. Aber heute war es sogar für mich zu wenig. Es war auch noch unglaublich schönes Wetter, was das Ganze noch schlimmer macht. 

 

Ich habe aber leider die ärgsten Blasen an beiden Fußsohlen von meinen Schuhen gestern. Der Marsch durch Bushwick, Williamsburg, Nolita und wieder Williamsburg plus das zweistündige Getanze am Astor Place hat mir ca. 5 cm große Blasen am Fußinneren aufgezogen. Am Vormittag fand ich es nicht schlimm, ich musste mich sowieso an die Arbeit setzen. Ich gab meinem Audiotrack für das Bushwick Arts Festival den letzten Feinschliff – was nach wenig klingt, aber ungefähr 5 Stunden dauerte– und begann danach das Interview mit Patrick abzutippen. Die Füße lies ich solange im Wasserbad und hoffte, dass sich die Blasen einfach irgendwie aufweichen würde oder was auch immer. 

Immer wieder wollte ich raus gehen, wenn auch nur in ein nahes Café, nur ein bisschen raus. Aber schon der Weg vom Wohnzimmer in die Küche auf Zehenspitzen verdarb mir den Gedanken. Also tippte ich weiter und weiter. Der Tag verflog unglaublich schnell, es war ein ganzes Stück Arbeit das Interview niederzuschreiben, umzuformen und zusammenzustellen. Wir haben über vieles geredet, einiges davon ist nicht spannend genug, anderes weicht zu sehr vom Thema ab. Ich bastelte die Themen und Sätze zusammen, so dass es am meisten Sinn machte und ehe ich mich versah, waren Mike, Ilona, Themma und Jonathan schon wieder vom Strandausflug zurück. Wirklich? Ist der Nachmittag schon vorbei? Ich hatte nicht einmal an Mittagessen gedacht, so vertieft war ich über Stunden in die Arbeit. Ein Sommertag, der an mir vorbei ging, aber ich konnte ja sowieso nicht durch ihn gehen. Meine Füße ließen mir keine andere Wahl. Und obwohl ich den ganzen Tag an der Arbeit saß, habe ich es noch nicht geschafft weitere Flaschen für mein Projekt zu machen. Stephanie und Anita haben eine neue Geschichte von mir Probe gelesen und mir den Daumen hoch dafür gegeben, sie wird also das nächste Werk, dass Brooklyn zu lesen bekommt. Aber immerhin. Das Interview ist jetzt so gut wie fertig und die Audiodatei auch. Ich befürchte mit viel Laufen wird es auch morgen noch nichts, also mal sehen, was stattdessen an Arbeit übers Band laufen kann.

 

Ich habe übrigens ein paar Mal versucht die Blasen aufzustechen, ein klein bisschen Flüssigkeit konnte ich auch herausbringen, aber die Haut ist an den Fußsohlen so dick, dass das wirklich keine leichte Aufgabe ist und die Blasen so groß, dass ein kleiner Nadelstich noch lange nicht ausreicht. Also Daumen drücken, dass das bald von alleine verheilt. Ich habe Stephanie von meiner Mama erzählt, die mir schlimme Schiefer oft im Schlaf heraus operiert hat und dass ich mir grade wünsche, sie könne mich wieder über Nacht wie durch Zauber heilen. Ich geh mal schlafen und hoffe ein bisschen, dass sie es auch irgendwie von dem fernen Kontinent aus schafft. 

 

Jetzt war ich zumindest noch ein bisschen mit Stephanie am Dach zum Quatschen bevor wir schlafen gehen. Die Nacht ist ein Traum. Schön warm und es duftet nach Sommer. Das Empire State Building leuchtet heute ganz einfach weiß, was ich am Schönsten finde. Gute Nacht.