Tag 43

Mr. Robot

Die Überschrift spoilert zwar schon aber ich fange trotzdem wie immer mit dem Morgen an. Ich wachte schweißgebadet auf. Keine Überraschung, das Loft hat sich in den letzten paar Tagen sowas von aufgeheizt, es ist kaum auszuhalten. Ich habe keine Fenster und deshalb keine Möglichkeit eine Klimaanlage rein zu stellen, wie das die anderen mit ihren Zimmern machen. Der Rest der Wohnung, also Küche und Wohnzimmer sind zu groß um sie zu klimatisieren und unsere Fenster sowieso undicht, also würde das auch gar keinen Sinn machen. Stattdessen stehen überall Ventilatoren herum, der Geräuschpegel dementsprechend laut. Ich habe zwei kleine Ventilatoren im Zimmer, die ein bisschen helfen aber im Moment lassen die lediglich die heiße Luft zirkulieren. 

 

Ich musste also schnell raus aus dem Bett und unter die Dusche. Nach dem Frühstück druckte ich tonnenweise Geschichten aus und bastelte neue Flaschen. Die Arbeit nimmt kein Ende. Immer wenn ich neue Geschichten verteilt habe, fange ich wieder von vorne an, es können nicht genug im Umlauf sein. 

 

Am frühen Nachmittag musste ich dringend Wäsche machen, ich hatte meine letzte Unterhose angezogen und da der Sommer jetzt sowas von da ist, kann ich meine Shirts auch nicht mehr so oft zweimal anziehen. Also packte ich meine Wäsche und spazierte in den Waschsalon. Dieses Mal alleine, jetzt kenne ich mich immerhin aus.

Am Weg dort hin, passierte das, wovon ich immer ein bisschen Angst in New York habe: Eine Klimaanlage fiel aus dem Fenster. Sie haben hier doch alle diese Klimaanlagen, die in die Schiebefenster eingeklemmt sind. Ich war gerade aus unserer Tür raus und lief die Straße an der Seite unseres Hauses entlang, weil hier Schatten war. Normalerweise kreuze ich direkt auf die andere Straßenseite, zum Glück zwang mich die Hitze aber eine Ausnahme zu machen. Direkt gegenüber, auf der selben Höhe, auf der ich spazierte, fiel plötzlich dieses Gerät mit einem lauten Krach auf den Bürgersteig. Im dritten Stock sah ich ein Mädchen aus dem Fenster lehnen und hinunter starren. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und war erst einmal kurz im Schock. Ich auch. Einige Momente später erst entkam ihr ein lautes: "Fuuuuuck!" Und zugleich bemerkte ich mein Glück. 

 

Als ich am Waschsalon ankam, viel mir ein weiterer Stein vom Herzen: Der Laden ist klimatisiert. Endlich. Ich schaltete die Maschine ein und genoss 20 Minuten Kühle und gratis WLAN während ich Ellen DeGeneres auf dem Fernseher im Waschsalon schaute. Während alles im Trockner war lief ich über die Straße zum City Fresh und deckte mich mit frischem Gemüse und Obst ein – die Hitze machte mir große Lust auf Frisches. Das heißt hier zwar etwas mehr bezahlen aber dafür mal wieder gesund – zur Abwechslung. Und nur das Nötigste!

Ich nehme mir hier zur Zeit den Luxus an manchen Dingen nicht zu sparen, wie Unternehmungen, Events und gutem Essen wenn wir in ein Restaurant gehen. Ich will das beste aus meiner Zeit hier machen und so viel Erinnerungen und Erfahrungen sammeln, wie nur möglich. Dafür spare ich an anderen Dingen. Beim Supermarkteinkauf bin ich auf jeden Fall gefasster, als zuhause. Für die Wohnung stecken wir manchmal Klopapierrollen an öffentlichen Toiletten mit ein – bei so vielen Leuten ist das eine Sache, die man alle paar Tage kaufen muss. Und ich benutze sogar unseren Kaffeesud nicht nur einmal. Unsere Filtermaschine ist kaputt aber wir haben noch das Teil in das man den Filter steckt. Das setzten wir deshalb einfach auf eine Kaffeekanne und gießen heißes Wasser darüber. Wenn man den Sud am nächsten Tag wieder verwendet, wird der Kaffee sehr wassrig. Aber ich habe einen Trick gelernt: Einfach einmal durchrinnen lassen und dann den wassrigen Kaffee noch ein zweites Mal durch den Sud gießen. Dann kann man ihn wieder trinken. Kaffee ist nämlich auch so eine Sache, die bei 8 Leuten unglaublich schnell leer wird, und der ist noch dazu nicht sehr günstig hier. Als Maja noch hier war, brachte sie uns regelmäßig Kaffee und Brot aus ihrer Arbeit mit. Aber jetzt müssen wir eben kreativ werden. 

 

Mit frischer Wäsche und frischem Gemüse spazierte ich zurück in die  dampfende Wohnung. Zum Mittagessen machte ich mir einen guten frischen Salat und eine ganze Kanne Zitronenwasser. Danach fühlte ich mich erfrischt und gestärkt und ich machte mich auf, die Flaschen aufzuhängen. Ich glaube im Moment kann ich mir nicht leisten auf Regen zu warten, das könnte dauern. Also muss ich mich einfach überwinden. Ich nahm eine ganze Tasche voller Geschichten mit nach Williamsburg und verteilte sie. An der North 6 Avenue geriet ich in einen Filmshoot, weshalb ich mich kurz hinsetzte und auf meiner Twitter-Quelle nachschaute, worum es sich handelt. Aber keine Info dazu. Muss also was kleines sein. Stattdessen sah ich aber, dass Mr. Robot heute in Manhattan dreht. Eine meiner Lieblingsserien! Bisher drehten sie nur außerhalb der Stadt oder in Stages, was bedeutet, dass man nicht zusehen kann. Dieses Mal sollte es an der Upper East Side an der Lexington Avenue sein. Ich hatte noch zwei Flaschen, es war ungefähr 18:00 Uhr. Also beeilte ich mich, die restlichen noch aufzuhängen und sprang an der Bedford in den L-Train. Nichts wie hin. 

Man weiß nie um welche Uhrzeit gedreht wird aber ich hatte bereits ein Foto auf Twitter gesehen, auf dem das Gebäude an der 57. Straße Ecke Lexington zum Evil Corp - Headquater gestaltet wurde. Es schien also bereits in Gange zu sein. 

Ich eilte also hin und dann die Enttäuschung, das große "E" vor dem Gebäude war bereits abgebaut. Das heißt ich bin zu spät. Verdammt. Die Abendstimmung war aber schön an der Upper East Side, also beschloss ich noch ein bisschen zu bleiben. Ich holte mir einen Eiskaffee und setzte mich vor das "Evil Corp" Gebäude unter dieses ringförmige Ding (Foto) und schrieb in meinem Büchlein an meiner neuen Geschichte weiter. 

Nebenbei schrieb ich Brian, dass ich gerade den Mr. Robot Dreh knapp verpasst habe, dass aber das Catering noch herumsteht. Zum Glück erwähnte ich es. Denn als jemand der beim Film arbeitet, wusste er sofort: Es ist nicht vorbei, solang das Catering noch steht. Ich solle einfach nachfragen, meinte er. Gesagt, getan. Am Catering-Zelt fragte ich den ersten Typen mit Headset, ob sie heute noch irgendwo im Freien drehen würden. Ich musste ein bisschen nachhaken, meistens dürfen oder wollen sie nicht zu viel Informationen auspacken. Aber er lies mich leise wissen: Im Moment drehen sie im Gebäude hinter uns, aber in ca. 1-2 Stunden an der 56. Straße, Ecke 3rd Avenue. Das ist nicht weit entfernt. Ich bedankte mich und setzte mich wieder an meine Geschichte. Ein bisschen kann ich ja noch warten...

Als es dunkel wurde, spazierte ich an den besagten Platz und tatsächlich: Die Licht-Leute bauten gerade alles auf. Ein großer Kran mit weißem Licht, die Pizzerria an der Straße abgedunkelt. Ich setzte mich auf die andere Straßenseite und schrieb weiter. Ein bisschen würde es noch dauern. Dann, als auch die Kameras und alles parat war, stellte ich mich an die Ecke des Drehs. Ich fragte freundlich nach, ob ich von hier aus zusehen könnte, es störte niemanden. Es dauerte nicht lange, da spazierte Christian Slater an mir vorbei. Eine Minute später Portia Doubleday, die unfassbar hübsch aussah, aber eine Zigarette nach der anderen rauchte. Dann ging es los. Sie drehten eine Szene, (keine Angst, ist kein Spoiler) in der Portia und Christian Slater eine dieser Klapptüren auf dem Gehweg öffneten, die in die Keller der Restaurants und Geschäfte führen. Die Kamera war im Keller und filmte die beiden von unten, wie sie die Klappe öffnen, und kurz miteinander reden. Die Worte konnte ich nicht hören, aber ich hatte beste Sicht auf den Dreh, sowie auf ein paar Bildschirme rundherum, auf denen ich das Endergebnis sah. Sie drehten das ganze zwei Mal. Es war also im Handumdrehen fertig und schon schrieen alle: "It's a wrap" und packten zusammen. Zwischen den beiden Drehs plauderten Portia und Christian eine Weile mit dem Regisseur, auch das konnte ich von meinem Platz aus bestens beobachten. Und ich schwöre euch: Christian Slater sah mich ein paar Mal direkt an! Immer wieder blickte er zu mir rüber und wäre er nicht so alt, wie mein Papa, würde ich glauben, ich wär ihm tatsächlich aufgefallen. Ich war aber auch die einzige, die zusah und nicht zur Crew gehörte, vielleicht war es auch das. Nachdem die Szene im Kasten war, kam er sofort herüber, an die Ecke, an der ich stand und atmete durch. Portia Doubleday wurde von ihrer Assistentin wieder in den Trailer gebracht, die beiden unterhielten sich im Vorbeigehen, so schnell konnte und wollte ich nicht reagieren. Aber Christian stand nach einer Weile immer noch neben mir, keiner ging ihm auf die Nerven, er wirkte entspannt. Also ergriff ich doch noch die Chance und sagte ihm, dass ich die Show liebe. Er bedankte sich und war super freundlich. Und weil er so nett war, fragte ich ihn auch noch nach einem Foto. Super Fan-Girl, ich weiß. Aber das ist verdammt noch einmal Christian Slater! Der hat schon in Quentin Tarantinos 1993-Meisterwerk "True Romance" die Hauptrolle gespielt. Er reagierte sogar auf das Foto super nett und meinte "Oh, ja klar, kein Ding!" Dann kam doch noch seine Assistentin an seine Seite und sagte ihm wohin er gehen muss. Diese Schauspieler müssen wirklich an nichts selbst denken. Er drehte sich noch einmal um, sagte, es war nett dich kennen zu lernen, wünschte mir einen schönen Abend und lies mich zitternd zurück. Am meisten freut es mich, dass er so nett war. Ich habe immer Angst Berühmtheiten in schlechten Momenten zu treffen und blöde Reaktionen zu bekommen. Ich würde es ja sogar verstehen, dass muss schon nervig sein, aber umso schöner, wenn sie so sympathisch wirken. 

Dann war es auch schon 22:00 Uhr und ich machte mich auf den Rückweg. Es kann sogar sein, dass sie heute noch weiter drehen, vielleicht sogar mit Remi Malek und kurz überlegte ich nachzufragen, aber das war mir dann doch zu blöd. Es reicht für heute. Remi treffe ich schon auch noch :-)

 

P.S. habe gerade mit Mike gesprochen, anscheinend soll es heute bis zu 40°C gehabt haben. Jetzt ist es 00:50 und ich habe gerade nachgeschaut, es hat aktuell 27°C ... na dann gute heiße Nacht