Tag 44

Broadway

Ich mach es heute kurz. Ich bin gerade heim gekommen (00:30) und ganz doll müde. Der Vormittag ist sowieso nicht weiter erwähnenswert, die alte Leier: Arbeit... 

Erst am späten Nachmittag wurde mein Tag wirklich spannend. Stephanie hat über ihre Arbeit günstige Broadway Tickets bekommen für das Stück "1984" mit Olivia Wilde. Zwischen vier und fünf wollte ich schon einmal los in die Stadt um noch ein bisschen das Wetter zu genießen. Bisher war ich an meinen Laptop und Drucker gebunden. Also fuhr ich nach Manhattan und zwar zur Abwechslung mal Downtown. Mir ist eingefallen, dass ich in diesem Jahr seit ich hier bin noch nie in Downtown war. Ich stieg an der Chambers Street aus, weil da anscheinend schon wieder ein Dreh war. Im Internet wusste keiner so Recht worum es sich genau handelt, weil auf den Schildern nur "Summer Project 2017" steht. Aber es wurde heiß diskutiert und viele glauben, es handle sich um den neuen Woody Allen Film, da der jeden Sommer einen Film dreht. Also schaute ich vorbei. Die Trucks waren alle da, aber kein Set weit und breit. Vielleicht war ich zu spät– oder zu früh. Egal. Nachdem ich einmal um den Block gelaufen war, taten meine Füße schon höllisch weh. Heute war es wieder um einiges schlimmer mit den Blasen. Vor allem der rechte Fuß brannte unheimlich – mittlerweile sogar, wenn ich nicht auftrete. Einfach so. Verdammt.

Außerdem war die Hitze unerträglich und ich hatte meine Wasserfalsche daheim stehen lassen. Also holte ich mir im Deli ein Wasser gegen den ärgsten Durst und Cocoswasser für den restlichen Nachmittag. Das erfrischt am Besten. An der Kreuzung West Broadway und Chambers fragte mich ein Tourist nach einem Hotel. Ich kannte es nicht und sagte ihm ich sei auch nicht von hier. Danach sah ich ihn und seine Frau verzweifelt an der Kreuzung stehen und fühlte mich schlecht. Also lief ich hin und fragte ihn, ob er denn auch eine Adresse hätte, dann könnte ich ihm vielleicht helfen. Jap, das sollte genau an dieser Kreuzung sein. Die beiden suchten scheinbar schon eine Ewigkeit und seinen alle Blocks abgegangen. Ich sah auf meiner Karte am Handy nach und konnte ihnen zumindest schon einmal sagen, welche Ecke es sein sollte. Aber kein Schild. Die beiden armen Spanier waren fertig mit den Nerven, also sagte ich ihnen sie sollen sich mit ihrem ganzen Gepäck kurz auf die Bank setzen, ich finde das dumme Hotel. Ich lief über die Straße, den Block auf beiden Seiten entlang. Weder ein Hotel-Schild, noch die Hausnummer waren zu sehen. Gerade als ich ins Starbucks gehen wollte um nachzufragen sah ich ein klitzekleines Schildchen auf dem stand, dass der Hoteleingang vorübergehend wegen Bauarbeiten auf der Hinterseite des Blocks wäre. Oh Mann, mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich – und die beiden Touristen wahrscheinlich auch – hatten befürchtet, dass sie in eine Internet-Falle getippt sind, und das Hotel gar nicht existiert. 

Ich lief zurück und sagte ihnen wo es rein geht. Sie waren erleichtert und dankbar. 

Währenddessen hatte mir Stephanie schon geschrieben, sie sei mit der Arbeit fertig und wartet auf mich und Gersom im Bryant Park. Also hüpfte ich in die klimatisierte U-Bahn und genoss die paar Minuten bis an die 42. Straße. Oh, Time Square – den hatte ich in diesem Jahr auch noch nicht gesehen. Am Bryant Park chillten wir dann ein bisschen und quatschten, bevor wir um 7 unsere Tickets am Box Office vom Theater abholen mussten. 

Und dann ging es auch schon bald los. Das Stück war toll gemacht, davon kann ich gar nichts erzählen... Olivia Wilde war toll, es war ihr Broadway Debut. 

Im Anschluss der Vorstellung beeilten wir uns zum Restaurant, wo wir reserviert hatten. Steph und ich haben eine gewisse "Bar Centrale" im Internet gefunden, eine Bar und Restaurant, das in einem schönen Brownstone in der Nähe sein soll. Ohne Schild und ohne Werbung, anscheinend sollte man dort immer Berühmtheten antreffen. Ich googelte die Speisekarte und es war gar nicht so schlimm. Das kann man schon Mal machen, es gab auch Hauptgänge unter 20$.   Ich reservierte für uns drei um 22:00 Uhr. Es wirkte wirklich exklusiv. Eine Treppe führte zur Haustüre, die aussah wie zu einem normalen Brownstone-Wohnhaus. Dahinter war ein schwerer dunkler Vorhang und schon begrüßte uns eine Dame. Ich hatte auf Stephanies Namen reserviert, weil sie den besser verstehen. Sie führte uns zum Tisch und ich lies meine Blicke schweifen. Keine Berühmten, so weit ich sehe. Das Lokal war super überschaubar, wobei es womöglich noch einen zweiten Stock gibt, da bin ich mir nicht sicher. Die Kellner super freundlich und das Essen sehr lecker. Wir bestellten uns je eine Auster und danach einen Hauptgang. Wir waren schick unterwegs. Und dann doch noch. Gersom und Stephanie waren plötzlich ganz aufgeregt und ich kannte mich erst nicht aus. Anderson Cooper saß hinter uns. Wer? Das habe ich auch gefragt. Anscheinend super berühmt. Stephanie sagte, ich solle in der UBahn den ganzen Wagon fragen, alle würden ihn kennen. Er ist ein berühmter CNN-Moderator oder sowas. Wie soll ich den denn kennen, den gibt's nicht auf Netflix. Aber gut. Er sei der erste oder zumindest berühmteste Nachrichtensprecher in den Staaten, der sich geoutet hat. Das erzählten mir die beiden und machten heimlich Fotos. Na immerhin, zumindest hielt das Restaurant was es versprach. 

 

Jetzt ist es 00:48 und ich bin noch müder. Also gehe ich schlafen. Morgen wird wieder ein langer Tag. Tagesausflug nach Connecticut. Brian und ich gehen aufs Tom Petty Konzert in Hartford, weshalb ich höchst wahrscheinlich morgen nicht vor 3 Uhr heim komme und noch wahrscheinlicher deshalb den Blog morgen nicht schaffen werde. Aber er kommt nach. Versprochen. 

Ich habe vorsichtig ein Foto vom inneren des Restaurants gemacht, man sieht nicht viel aber ich lasse es euch trotzdem hier.