Tag 19

Mädelsabend

Es ist jetzt kurz vor 03:00 Uhr Morgens, wir sind gerade nachhause gekommen. Aber ein paar Zeilen kann ich noch schnell, vor dem Schlafengehen schreiben. Weil viel gibt es von heute sowieso nicht zu berichten. 

 

Ich habe den ganzen Tag über gearbeitet. Es war schon wieder ein super heißer Sommertag, der dritte in Folge. So schön das auch ist– immer kann man das Wetter eben nicht ausnutzen. Und da ich gestern schon einen richtigen Sommertag eingelegt habe, hieß es heute wieder: Drin bleiben und fleißig sein. Es war aber gar nicht so schlimm, weil Thema (Jonathans Partnerin) dasselbe Leid hat und von der Wohnung aus arbeitete. Deshalb haben wir uns schon am Vormittag gemeinsam ins Wohnzimmer gesetzt und losgelegt. Wenn jemand neben mir fleißig ist, fällt es mir natürlich auch leichter und sie empfand es genauso. 

Alle anderen waren ausgeflogen: Maja und Mirella beim Yoga und alle anderen in der Arbeit. 

 

Zu Mittag kochten Thema und ich zusammen und machten gemeinsam Mittagspause, danach ging es wieder weiter. Und ehe ich mich versah, war der Nachmittag auch schon vorbei. Aber ich fühlte mich gut. Ich hatte einen schönen neuen Text geschrieben und die nächste Kurzgeschichte von einer Studentin der LMU für Narrating City vorbereitet. Jake hat mir außerdem das erste Ergebnis meines Videos geschickt und ich bin schon ziemlich zufrieden damit. Eine Kleinigkeit wollen wir noch ausprobieren, dann sollte es aber bald wirklich ganz fertig s ein. 

 

Gegen Abend riefen mich Maja in Mirellas Zimmer. Die beiden lagen am Boden und quatschten - Mirellas Zimmer ist eines der wenigen mit Klimaanlage und als ich die Tür aufmachte und den schön gekühlten Raum betrat, wollte ich nicht wieder raus. Viel zu angenehm. Die beiden Mädels spielten "36 Fragen zur Liebe" und wollten mich dabei haben. Es ist weniger ein Spiel, als eine Art Experiment. Der ursprüngliche Sinn darin ist sich als Paar diese bestimmten 36 Fragen zu stellen, danach könne man sich verlieben, weil man ernste und tief gehende Fragen beantwortet. So oder so ähnlich. Für uns war es einfach eine schöne Art uns noch besser kennen zu lernen und offen miteinander zu reden. Nach der Arbeit kam auch Stephanie noch dazu, somit war die Runde komplett. Es waren Fragen, wie: Was ist deine wichtigste Erinnerung in deinem Leben? Wenn du eine Sache in deinem Leben ändern würdest, was wäre das...? Fragen dieser Art. Manchmal sollte man sich einfach nur gegenseitig Komplimente machen und es war schön zu hören, was wir uns gegenseitig zu sagen hatten, als würden wir uns schon eine Ewigkeit kennen. Auf jeden Fall bewundern wir alle ganz bestimmte Dinge an uns gegenseitig und es ist schön, wenn man sich mal bewusst macht, was man voneinander lernen kann.

 

Eine andere Frage war: "Wenn du heute Abend sterben müsstest, was würdest du unbedingt noch jemanden sagen wollen?" Da ich im Moment ziemlich zufrieden mit meinem Leben bin, war meine einzige Antwort, dass ich sicher gehen will, dass meine Eltern wissen, wie sehr ich zu schätzen weiß, wie sie mich erzogen haben und wie sehr sie mich unterstützen. Ich erzählte ein bisschen von unserer Familie und schwärmte, wie schön meine Kindheit ist, wie meine Eltern alles richtig gemacht haben, wie mich beide Elternteile auf unterschiedliche Weise geprägt haben und unterschiedlichen Einfluss auf mich haben. Und wie ich alles, worauf ich in meinem Leben stolz bin, ihnen zu verdanken habe. Wir sagen uns sowas nicht oft direkt, wie das vielleicht andere Familien machen und ich weiß auch, dass sie es auch so wissen. Aber wenn ich heute wählen müsste, was ich unbedingt noch los werden muss, wäre es das. Deshalb wollte ich es kurz erwähnen, man muss ja nicht immer bis zum Ende warten, mit so wichtigen Dingen. Manchmal kann man es zwischendurch sagen. Einfach so. Danke Mama und Papa. Dank euch bin ich hier, dank euch geht es mir so gut, wie ich es mir kaum hätte träumen können. Und zwar ganz allein, bei mir selbst. 

 

Danach stand fest: Heute Abend machen wir vier einen Mädelsabend. Wir zogen uns die Ausgeh-Outfits an, quatschten eine Weile am Dach, tanzten zu den Lichtern Manhattans und zogen dann los. Da wir nur Mädels waren, und das auch bleiben wollten, hatte Stephanie die Idee in einen dieser Regenbogen-Clubs im West Village zu gehen. Vor 01:00 Uhr kommt man heute mit dem Passwort: "Jam" umsonst rein. Dort können wir ungestört tanzen, keinen kümmert's, keiner nervt. Perfekt. Wir nahmen den L-Train zur 8 Avenue und spazierten in unseren schönsten Schuhen die W4th Street entlang ins West Village – da wo Carrie einst wohnte und ich fühlte mich heute tatsächlich wie in "Sex & the City". Vier Mädels, coole Outfits, West Village. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Ich fand unterwegs Spielkarten auf der Straße! So wie Burger in der Serie. Genau heute Abend! Die hab ich natürlich mit nachhause genommen :-)

Wir tanzten eine Weile, legten dann eine Pause bei einem dieser HotDog Buden ein, aßen einen Snack und spazierten dann gegen 01:00 zurück zum L-Train um wieder in Richtung Bushwick zu fahren. Eine Haltestelle vor unserer, an der Morgan Avenue, sprangen wir raus und machten noch einen Abstecher in einen Laden dort. Wieder ein bisschen tanzen. Um 03:00 Uhr - also vor 20 Minuten, waren wir wieder daheim. Genau lange genug. Der perfekte Mädelsabend mit ganz viel lachen, tanzen und schicken Klamotten. 

 

Gute Nacht :-)