Tag 51

Battery-Park

Heute war perfektes Wetter. Wieder schien die Sonne den ganzen Tag aber die Hitze war erträglich. Ich glaube es hatte knapp 30°C aber wenigstens war es heute mal nicht drüber. Eine angenehme Brise wehte durch die Straßen und sorgte für ein angenehmes Klima. Ich stand heute früh auf und bastelte weitere Flaschen. Die zweiteilige Geschichte will ich aufgrund ihrer praktischen Länge in mehreren Vierteln verteilen. Am Vormittag sagte mir Brian beschied, dass er heute in Manhattan an "Shades of Blue" mit Jennifer Lopez arbeitet und gegen 14:30 Uhr eine Stunde Mittagspause hat. Also teilte ich mir die Arbeit wieder ein, gab am Vormittag und frühen Nachmittag Gas, hängte ein paar Flaschen in Bushwick auf und machte mich danach auf nach Manhattan. Darauf hatte ich heute so richtig Lust, es war das perfekte Wetter. Und es ist immer schöner, wenn man einen Grund hat nach Manhattan zu fahren, als einfach so, dann fühlt es sich viel mehr nach echtem Leben an. 

 

Ich stieg an der Bleecker Street aus und spazierte an die Ecke Lafayette und Mott Street, wo der Dreh stattfindet. Die bekannten Trailer und Trucks verteilten sich über unzählige Blocks durch Nolita und wir trafen uns zufällig direkt vor J.Lo's noblen Über-drüber-Trailer, der Kunstgras auf dem Gehweg vor ihrer Eingangstür hat. Brian hatte von seinen Kollegen von einem leckeren Mac&Cheese Laden in der Straße gehört und ich war natürlich sofort am Start. Ich liebe Mac&Cheese! Der klitzekleine Laden hatte eine ganze Liste unterschiedlicher Varianten, wir bestellten zum Mitnehmen und bekamen das Gericht verpackt in eine große Plastik-Macaroni-Nudel – das alleine hätte mir gereicht, aber dann war das Essen auch noch unglaublich lecker. Ich war zu hungrig um Fotos zu machen, aber Brian hat mir seine geschickt, damit ich euch das zeigen kann. Mein Highlight des Tages, haha :-)

 

Dann musste er wieder an die Arbeit und ich entschloss mich, noch eine Weile in Manhattan zu bleiben. Es war so schön. Ich spazierte ein bisschen durch Nolita und nahm dann die U-Bahn ans südlichste Ende der Insel, um in den Battery Park zu spazieren. Lange konnte ich mich nicht entscheiden, in welche Gegend oder welchen Park ich am liebsten gehen will, deshalb entschloss ich mich spontan für Downtown. Einfach so. Weil ich da noch nicht so oft war. Und ich musste noch die Statue des kleinen Mädchens sehen, die seit kurzem gegenüber dem Wall-Street-Bullen steht. 

Vom Battery Park aus hat man eine gute Sicht auf die Freiheitsstatue und die Skyline von New Jersey. Unten am Wasser sah ich den Wellen zu und genoss die Meeresbrise, die mit ihnen an Land schwappte. Ich hörte zufällig gerade Billie Holiday auf meinem Handy und war ein bisschen überwältigt von der Gesamtstimmung. Und immer wenn mich die Stadt überwältigt, setze ich mich auf die nächste Bank und genieße den Moment ganz bewusst. Das tat ich auch dort. Ich sah zur Freiheitsstatue hinaus und stellte mir vor, wie die Boote hier einst an Land gegangen sind und tausende Menschen mit Hoffnung auf ein gutes neues Leben von ihnen herabstiegen. Ich stellte mir vor, wie die Stadt hinter mir damals ausgesehen haben muss. Gedanken, die einen verrückt machen können, weil sie so surreal erscheinen... 

Dann nahm ich wieder mein Büchlein heraus und schrieb ein bisschen an einer neuen Geschichte, die ich letzte Woche begonnen hatte. Ich schrieb, bis mein Kopf wieder blank war. Bis sich mein Stift einfach nicht mehr bewegte. Ich weiß nicht, wie lange das dauerte, die Zeit lies ich heute Nachmittag einfach mal Nebensache sein. 

Dann spazierte ich zu dieser Statue, sah mir das starke kleine Mädchen an, ging weiter hoch, vorbei an der Wall Street, dem One World Tower, der City Hall, Brooklyn Bridge... Ich ging einfach immer weiter und weiter. Ab und an stöberte ich mich durch ein Geschäft oder machte an einem schönen Platz Pause. Aber ich spazierte den restlichen Nachmittag einfach nur planlos herum, wieder in Richtung Norden. Durch Chinatown, Little Italy, bis ich wieder in Nolita war und bemerkte, dass meine Beine allmählich anfangen zu schmerzen und die Sonne bald untergeht. 

Und jetzt bin ich zurück zuhause, habe mir am Weg noch Eis und Bananen gekauft und klinge den Tag in der Hängematte aus. Hinter mir, aus Mikes Studio dröhnt laut aber schön klassische Musik, die er gerne zum Arbeiten hört. Langsam wundere ich mich, wo die anderen so bleiben. Mittlerweile ist es 9, aus dem linken Fenster unseres Wohnzimmers kann ich aber immer noch lila-blaue Streifen des Sonnenuntergangs erkennen. Ich glaube, es ist Zeit für ein paar Minuten Dachterrasse. Euch schon einmal einen schönen Mittwoch :-)