Tag 64 - 66

Independence Day

Die letzten Tage fühlen sich an wie Wochen. Ich habe so viel gesehen und erlebt. Jetzt (Mittwoch Nachmittag) sitze ich gerade im Union Square und nehme mir endlich die Zeit, alles für euch aufzuschreiben. 

 

Montag

Da am Dienstag Feiertag (Independence Day) war, hatte Stephanie den Brückentag frei. Ihr Freund Gersom hat vorgeschlagen, dass sie mir "The Cloisters" zeigen müssen und Stephanie war ganz aus dem Häuschen, dass ihr das nicht selbst eingefallen ist. "Das ist einer meiner absoluten Lieblingsplätze in der Stadt". Ich hatte keine Ahnung worum es sich handelt aber war natürlich wie immer Feuer und Flamme etwas Neues in der Stadt zu sehen. 

Wir trafen uns am Montag schon relativ früh, denn wir mussten die U-Bahn bis ganz in den Norden Manhattans nehmen. Die Insel endet an der 220th Street, wir waren irgendwo bei 205th also praktisch ganz am Ende. Die Nachbarschaft dort oben heißt "Inwood". Nach dem Ende des Central Parks reihen sich die Gegenden also (S-N): Harlem, Washington Heights, Inwood. 

"The Cloisters" ist eine Burg, heute ein Museum über das Europäische Mittelalter (Architektur, Deko, etc.). Nicht ganz mein Interessensfeld, aber Stephanie versicherte mir, dass es den Trip wert ist. So war es auch. Das Faszinierende an dieser Burg war, dass sie so gar nicht nach Manhattan passt. Offensichtlich ist die Burg nicht aus dem Mittelalter, wir sind immerhin in New York. Tatsächlich hat die Rockefeller Familie irgendwann entschlossen, es wäre doch schön auch hier eine alte Burg wie in Europa zu haben. Also importierte die reiche Familie 1925 ganz einfach Stein für Stein aus Frankreich und baute sich seine eigene Burg. Rollt ihr auch gerade die Augen? Ein Grund weshalb man dort oben den Rest der Stadt vergisst, ist die Tatsache, dass man einen freien Ausblick auf die Natur hat. Auf den Hudson River und am anderen Ufer auf New Jersey, das ungewöhnlich sperrlich bebaut ist. Fast nur Bäume sind zu sehen. Auch das ist kein Zufall. Um diese schöne Aussicht zu garantieren kaufte Herr Rockefeller ganz einfach das Land auf der anderen Seite des Ufers noch mit um weitere Bauten zu verhindern. 

Vielleicht ist das ganze auch einfach nur ein Museum darüber, was es heißt zu viel Geld zu haben. 

Wie auch immer, die Burg und ihre Gärten waren schön anzusehen und tatsächlich fühlte ich mich ein bisschen wie in Europa. 

 

Danach spazierten wir vom Hügelchen hinunter in die Straßen von Inwood. Es ist eine vorwiegend Dominikanische Bevölkerung – auch Gersom's ist Dominikaner und freute sich deshalb uns in eines seiner Lieblingsrestaurants mitzunehmen. Wie sie hier alle so stolz auf ihre Wurzeln und die Küche ihres Landes sind. :-) Auch Brian nahm mich vor ein paar Tagen in ein Puerto Ricanisches Restaurant mit und präsentierte mir mit ganzem Stolz Reis und Bohnen. Ich muss aber gestehen, beides war außerordentlich lecker. Besser als erwartet. 

Gersom und Steph bestellten eine ganze Auswahl an Vorspeisen, mit zwei Verschiedenen Reissorten als Beilage und wir teilten alles. Das ist nicht üblich für diese Art der Küche, aber wir wollten so viel Unterschiedliches wie möglich probieren. Viel Fleisch, viel Geschmack, viel Frittiert. Ich liebe es. 

 

Satt und zufrieden spazierten wir weiter westlich zu La Marina. Eine Strandbar am Hudson River, die Stephanie unbedingt sehen wollte. Angeblich sollen hier Leonardo DiCaprio und Co. ständig feiern. Es dauerte also nicht lange mich zu überzeugen. Kein Leo aber dafür unglaublich viele unglaublich schöne Leute. Ich glaube ich habe noch nie so viele schöne Menschen auf einem Fleck gesehen. Jeder sah aus wie ein Star, Männer wie auch Frauen, hatten die besten Klamotten an und die tollsten Frisuren. Stephanie und ich waren nicht nur die einzigen Weißen dort, auch die mit Abstand am schlechtesten Gekleideten. Wow. Trotzdem war es toll, wir genossen die Atmosphäre und sahen uns stundenlang einfach nur um. Schönheit. Überall. 

Nach dem Sonnenuntergang machten wir uns wider auf die lange Reise zurück nach Brooklyn. Ein letzter Abstecher in Gersom's Bar am Heimweg. Nur kurz, haben sie gesagt. Auf einen gratis Drink haben sie gesagt. Nach dem zweiten Drink aber, spielten wir drei "Wer bin ich" mit der Barkeeperin. Dann stieg ein Typ neben uns mit ein. Dann das Pärchen auf der anderen Seite der Bar. Und dann noch ein Mädl, das in die Bar gekommen war. Am Ende waren wir eine große lustige Runde aus zufällig zusammengewürfelten Menschen, die zusammen dieses Spiel spielte und es war unglaublich witzig. 

(Foto vom Turm der Burg: man beachte die Klimaanlage im Fenster :-) typisch Amis.)

 

Dienstag

Am Dienstag war dann endlich der 4. Juli. Der Unabhängigkeitstag. Die Regenbogenfahnen wurden  in der vergangenen Woche nach und nach in USA Flaggen ausgetauscht und das Empire State Building leuchtete die vergangenen Tage bereits rot-weiß-blau. 

Brian kam in die Stadt und holte Stephanie und mich am Vormittag zuhause ab. Zusammen fuhren wir mit dem Auto nach Coney Island, dort solle der 4. Juli bereits den ganzen Tag über gefeiert werden. Außerdem findet an dem Tag der jährliche Hot-Dog-Esswettbewerb statt, den wir ganz gerne sehen wollten. 74 ist der Rekord aus dem letzten Jahr. 74 Hot Dogs! Sie viele habe ich in meinem Leben noch nicht gegessen. 

Wie auch immer - Feten, Strand und Meer klang perfekt, es sollte den dritten Tag in Folge über 30°C bekommen. Es war die Hölle los am Strand. Wie erwartet, das störte uns aber nicht, denn der Tag fühlte sich sowieso irgendwie besonders und nach Trubel an, wir waren nicht zum Chillen da. Wir legten uns an den Strand, quatschten und verbrachten dann eine endlos lange Zeit im Meer. Es war herrlich. Vor allem nach unserem Reinfall mit dem Pool ein paar Tage zuvor, waren wir mehr als glücklich endlich im kalten Nass zu sein. Das Wasser hatte die perfekte Temperatur. 

Den Hot-Dog-Wettbewerb hatten wir verpasst, der fand schon eine Stunde früher statt. Aber egal, es gab genug zu tun und zu sehen in Coney. Nach dem Badespaß und Sonnentrocknen am Strand, holten wir uns wieder Frittiertes. Chicken Wings Shrimps und Cheese Fries - ich weiß, ich weiß, aber es ist so lecker. Damit gingen wir in die Freak Bar, wo wir uns noch Coney Island Bier dazu bestellten und ein paar Spiele spielten. Stephanie wollte eigentlich, dass wir uns die Freak Show ansehen, die sie so toll findet, aber vertieft in diverse Boardgames vergasen wir ein bisschen darauf und ließen es am Ende doch bleiben. 

Wir gingen noch ein bisschen durch den Vergnügungspark, genossen die Atmosphäre und die Sonne auf der Haut. Ach ich liebe Coney Island.

 

Später fuhren wir zurück, duschten, schmissen uns in unser 4th of July Outfit und gingen aufs Dach. Unsere Mitbewohner und Nachbarn waren bereits fleißig am Grillen und wir stiegen pünktlich zum Sonnenuntergang mit ein. Burger, Hot Dogs, Gemüse – Russ hat wieder für alles gesorgt. Trevor's Apartment brachte wie immer die Anlage und Musik, Nachbar Brian ließ seinen Drachen steigen, wir schmissen Wasserbomben und zündeten Feuerwerke. Die Stimmung war ein Traum. Eine große Gemeinschaft, 360° Blick über alle Stadtteile und Feuerwerke über den Dächern um uns herum. Macy's zündete irgendwann gegen 22:00 Uhr das große Feuerwerk vor der Skyline Manhattans – es dauerte eine Stunde lang. Es war unfassbar. Ich habe noch nie so ein Feuerwerk gesehen, das war faszinierend. Ich habe Fotos und Videos mit der guten Kamera gemacht, die muss ich aber erst auf den Laptop laden, die kommen dann nach. Das war's praktisch. 

 

Mittwoch

Heute ist wieder jeder zurück in die Arbeit. Happy Alltag. Ich fuhr nach Manhattan um ein paar Besorgungen zu machen, bevor ich morgen meinen Montreal Trip antrete. Handy für das nächste Monat bezahlt, portable Charger gekauft, etc. Nach meiner Schreib-Pause hier im Union Square laufe ich noch schnell zu Trader Joe's und hole mir genug Snacks für die Reise morgen. Ich freu mich drauf!