Tag 72

Back to the USA

Zurück in den USA.

 

Ich verliere allmählich den Überblick... Ich gehe heute nicht mehr die Tage der Reihe nach durch, sondern erzähle euch von den Highlights der letzten Tage. Wen interessiert schon wann ich gefrühstückt und geschlafen habe. 

 

Ich war gestern einmal wieder im Café Beit. Seit langem. Ich musste meine aktuelle Kolumne schreiben und freute mich darauf, endlich einmal wieder in meiner gewohnten Umgebung schreiben zu können. Ich nahm mir dafür praktisch den ganzen Tag Zeit. Ich setzte mich ans Fenster und tippte los, es war ein schönes Gefühl einmal wieder richtig Zeit zum Schreiben zu haben. Morgen oder Übermorgen wird sie online gehen. 

Als ich damit fertig war fuhr ich nach Manhattan um Stephanie von der Arbeit abzuholen. Wir trafen uns an der Madison Avenue und 57th Street, wo sie kurz bei ihrem Doktor vorbei schauen musste. Trotz NY-Ubahn war das Timing überraschend perfekt und ich traf sie genau an, als sie das Gebäude verließ. Sie fiel mir zur Begrüßung in die Arme und sagte: "Das war die längste Zeit, die wir uns nicht gesehen haben, seit du eingezogen bist!" Sie hatte recht. Es waren zwar nur 5 Tage, es fühlte sich aber wie eine Ewigkeit an. Wir hatten vor uns irgendwo ins Freie zu setzen aber das Wetter schlug schlagartig um und es sah ein bisschen nach Regen aus. Also schlug ich vor, endlich ins "Jekyll and Hyde" zu gehen, von dem sie mir schon ein paar Mal erzählt hatte.  

Wir spazierten zur U-Bahn einige Blocks entfernt und sie fragte mich nach meinem Montreal-Trip aus. Endlich konnte ich alles in Ruhe erzählen und sie freute sich riesig, dass ich ihre ganzen Tipps angenommen und ausgecheckt habe. Sie war über das Wochenende in die Hamptons gefahren und hatte auch einiges zu erzählen. 

Wir fuhren ins West Village und stiegen an der Christopher Street aus. Das Jekyll and Hide ist eine Bar mit Geisterbahn-Charakter. Es ist dunkel, düster beleuchtet und an den Wänden hängen diverse Figuren, Bilder und sonstige Dinge, die abwechselnd immer wieder "zum Leben erwecken", sich bewegen und sprechen. Die Portraits an der Wand folgen einem mit ihren Blicken hinterher und es gibt sogar Schauspieler, die verrückte Geister oder Sonstiges spielen, singen, tanzen und die Gäste unterhalten. Sie spielten alten Jazz und Swing, die Stimmung war toll. Außer uns waren noch einige Eltern mit ihren Kindern dort, zwei Tische feierten Geburtstag. Die Kinder waren vielleicht 6 oder 7 und hatten den größten Spaß. Wir aber auch. Der Gang zu den Toiletten besteht aus einem riesigen fake-Bücherregal. Dort muss man den Eingang zum Klo tatsächlich suchen, und die Stelle finden, an der die Tür versteckt ist. Ich ging als erstes und drückte irgendwann an die richtige Stelle und die Tür öffnete sich. In New York gibt es fast immer nur unisex Toiletten aber ich wunderte mich ein bisschen über die Pissoirs, die gibt es fast nirgends. Als ich heraus kam stand ein kleiner Junge vor mir und sagte: "Das ist das Männerklo". "Ups", sagte ich, "ich habe aber nur dieses Klo gefunden" und zuckte die Schultern. 

Wir hatten Cocktails und teilten uns ein paar Vorspeisen-Chicken Wings. Wir hatten so viel zu reden, nachdem wir uns so lange nicht gesehen hatten und ignorierten deshalb manchmal die Schauspielerin, die ihre Show ablieferte. Es gab einfach zu viel zu erzählen. Wir stellten uns vor, wie es wäre, wenn man hier her kommen würde und mit jemanden Schluss machen würde und diese Schauspieler ständig an den Tisch kommen und Quatsch machen. Noch eine Folge für Broad City, die wir unbedingt aufschreiben sollten. 

 

Heute machte ich meinen Artikel im WordPress fertig und fuhr danach schnell in die Stadt, weil ich gelesen habe, dass Tom Hanks und Steven Spielberg in Manhattan drehen. Ich fuhr zur Grand Central und lief ein paar Blocks hoch an die 45th und 5th Avenue, wo ich auch schon die ganzen Trucks fand. Wie immer fragte ich bei einer Dame mit Headset nach, ob denn im Freien gedreht würde. "Wir drehten heute Morgen auf der Straße, jetzt ist es im Gebäude, sorry". Ich fragte nur noch schnell nach, wo denn genau und sie sagte mir freundlicherweise die Adresse, einen Block weiter. Am Weg dort hin sah ich einen dieser Trailer, der für die "Stars" zum Aufenthalt gedacht ist. Die sehen immer ien bisschen anders aus, als der Kram der Crew. Davor standen drei Securities, weshalb ich neugierig wurde und davor stehen blieb. Ich dachte ein paar Minuten kann ich auch warten und sehen ob was passiert, da die Leibwächter davor standen, ist die Chance groß, dass der Star gerade drinnen ist. Ich hoffte natürlich auf Tom Hanks. Von ganzen Herzen. Einige Minuten später ging die Tür auf und die Securities wirkten nervös. Es war tatsächlich Steven Spielberg der heraus kam und mit ihnen binnen Sekunden im Haus gegenüber verschwand. Es ging zu schnell, es war hektisch. Aber ich sah ihn. Meine Freude hielt sich in Grenzen, zu groß war die Hoffnung auf Tom Hanks. 

Ich ging um den Block, wo der Dreh stattfinden sollte und sah das Set von außen. Das Gebäude wurde in ein altes New York Times Gebäude verwandelt – das Schild war offensichtlich fake. Ich sah durch die Glastür in die Eingangshalle des Gebäudes. Ich glaube, die Kamera war im ersten Stock und filmte von oben nach unten. Die Komparsen gingen immer wieder auf den Action-Ruf durch die Eingangstür hinein und hinaus, die Treppen hoch und runter. Dann wieder Cut. Und wieder alles von vorne. Es ist vielleicht nur ein kleiner Zwischenschnitt, den ich beobachten konnte und leider weit und breit kein Tom Hanks. Mir lief die Zeit davon, ich musste zurück nach Brooklyn, dabei hätte ich so gerne weiter zugesehen... Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal, dass dieser Film in Manhattan dreht. Ich muss Tom Hanks unbedingt vor meiner Abreise noch sehen. Das ist nicht nur mein NY-Ziel, ich glaube, das ist eines meiner Lebens-Ziele. 

 

Donner. Donner hat mich gerade aus meinem Schreiben gerissen. Es ist das erste Mal, dass ich hier in New York ein Gewitter erlebe. Komisch, ist mir vorher noch gar nicht aufgefallen. Es hat ungefähr vor zwei Minuten begonnen, davor war es strahlend blau. Auch jetzt scheint noch immer die Sonne, verrückt. Ein bisschen nervig, weil Stephanie, Gersom, Brian und ich uns eigentlich in einer Stunde im McCarren Park auf Frozen Margaritas treffen wollten. Das wird wohl nichts. Jetzt müssen wir uns etwas anderes überlegen....

Ach übrigens, auch vor unserem Haus wird seit zwei Tagen gedreht. Ich habe aber noch nicht heraus bekommen, was es ist. Da ich es auf meiner Twitter-Quelle nicht gefunden habe, vermute ich, es ist etwas Kleineres. Brian meint allerdings nicht, da die Trucks von großen Firmen sind, die keine kleinen Produktionen übernehmen würden. Ich schaue also immer wieder aus dem Fenster und versuche zu erkennen, worum es sich handelt. Mal sehen...